Im Interview: hörBuch aus Bochum

„Wir klingen einfach anders“.

hörBuch aus Bochum mit ihrem Debütalbum "Meine Zeit"

hörBuch aus Bochum mit ihrem Debütalbum „Meine Zeit“

Letzte Woche hatten wir euch die Band hörBuch aus Bochum bereits vorgestellt. Jetzt haben wir uns mit dem kreativen Kopf und Schauspieler Dominik Buch unterhalten. Dabei haben wir über die Band und deren rasante Entwicklung, über Deutsch-Pop im Allgemeinen und einen gewissen Gegensatz in Deutschland gesprochen.

Soundkartell: In eurer Musik steht ihr bewusst im Kontrast mit den neuartigen Synth-Pop
Produktionen der letzten Jahre. Welche Elemente lassen euch bewusst davon
abgrenzen?

Dominik: “Unsere Art von Pop-Musik setzt auf eine klassische Bandbesetzung: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Hinzu kommt natürlich das Klavier, an dem die Songs selbst auch entstehen. Gerade nach dem Songwriting entsteht der eigentliche Sound im Zusammenspiel der Instrumente und weniger durch die Aufeinanderstapelung von mehreren Spuren und Effekten. Der Entstehungsprozess ist daher etwas anders.”

Soundkartell: Was missfällt euch denn konkret an der neuen Mischung aus Synthesizern und Pop-Elementen?

Dominik: “Grundsätzlich missfällt uns am Synth-Pop eigentlich nichts. Die musikalische Abgrenzung heißt nicht, dass wir Synth-Pop nicht hören oder mögen. Wir haben uns auch nicht entschieden etwas zu machen, damit wir uns vom Mainstream abgrenzen. Jede Musikstilart hat ihre Daseinsberechtigung. Als wir unseren hörBuch-Klang für uns nach einer längeren Weile des gemeinsamen Musizierens gefunden hatten, stellte es sich aber für uns aber raus, dass wir einfach „anders“ klingen, vielleicht klassischer bzw. handgemachter als viele derzeitige deutsche Pop-Acts.”

Soundkartell: Wie schwierig ist es für euch als Newcomer mal einen eher ungewöhnlicheren Weg zu gehen, als immer dem Zeitgeist zu folgen?

Dominik: “Bislang haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht. Wir sind sicher nicht die Band mit dem innovativsten Klang oder den neusten Musiktrends. Aber gerade die mehr oder weniger zeitlose Musik führt dazu, dass unsere Fans auch durchaus älter sein können. In unserem Publikum sieht man öfter auch mal die Eltern der Jüngeren mit abgehen.”

Soundkartell: “Band des Jahres”-Auszeichungen für Bands gibt es in ganz Deutschland. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für euch und für die Stadt und deren Musikszene?

Dominik: “Die Auszeichnung hat für uns auf verschiedene Art und Weise einen besonderen Wert. Zunächst haben wir quasi einen Kaltstart hingelegt und uns direkt mit den ersten zwei richtigen Gigs diesen Titel erspielt. Also war es für uns ein Türöffner, wir wurden direkt von der Musikszene und Presse wahrgenommen. Daraus resultierten unmittelbar viele weitere Festival- und Giganfragen. Darüber hinaus sind wir in unserer Heimat, dem Ruhrgebiet, aber insbesondere in Bochum sehr verwurzelt und einfach Lokalpatrioten. Das Bochumer Newcomer Festival war und ist in Bochum und den umliegenden Ruhrgebietsstädten halt einfach auch eine dicke Nummer.”

Soundkartell: Und vor allem: Welchen Antrieb verleiht eine solche Auszeichnung?

Dominik: “So kurz nach dem ersten Konzert, mit der ersten 5-Track EP im Gepäck, eine Auszeichnung zu bekommen, die sowohl durch Publikums- als auch Juryentscheid zustande kam, war eine enorme Bestätigung, dass wir in unserer Entwicklungsphase von hörBuch auf den richtigen Weg gekommen sind. Für uns war klar, dass wir den positiven Schwung daraus mitnehmen wollten.”

Soundkartell: In Deutschland gibt es auf etlichen Ebenen Disparitäten. Der Osten ist
unterentwickelter als der Westen…seht ihr im Bereich der Musik auch eine gewisse
gegensätzliche Entwicklung von West nach Ost und von Norden nach Süden?

Dominik: “Ehrlich gesagt kenne ich mich in den einzelnen Musikszenen nicht ausreichend genug aus, um das detailliert sagen zu können. Fest steht jedoch, dass nicht nur aus Hamburg und Berlin, die immer genannt werden, gute Bands kommen. Gerade im Ruhrgebiet, bzw. NRW haben wir eine hohe Dichte an tollen Bands und Künstlern, die auch für unterschiedlichste Genres stehen.”

Soundkartell: Aus Köln, Düsseldorf oder aber auch aus Bayern gibt es derzeit stark den Trend Pop-Musik mit Dialekt zu produzieren. War das für euch, da ihr ja auch auf Deutsch textet nie eine Option?

Dominik: “Ich habe nie darüber nachgedacht. Von der Klangfarbe her, hört man meinen Dialekt sicher durch, aber für die Textinhalte und Musik von hörBuch würden echte Ruhrpottdeutsch-Texte nicht passen. Das hätte dann auch vielleicht eher etwas Ironisches. Außerdem besteht unser Dialekt aus gewisser Wortkargheit. Rheinländer und Bayer sprechen ja alleine schon viel mehr und singen fast alleine dabei.”

Soundkartell: Denken wir an Deutsch-Pop mit Jazz-Elementen, so denken wir unweigerlich auch an Clueso. Inwiefern zieht der Vergleich und wo seht ihr euch darin selbst?

Dominik: “Der Vergleich kommt immer mal wieder. Clueso, Bosse und Thees Uhlmann sind tolle Künstler und wenn wir an sie erinnern, ist das für uns ein großes Lob. Allerdings hatten wir nicht das Ziel: Wir wollen so klingen wie Clueso, also machen wir deutsche Texte und musizieren in die Richtung. Es hat sich einfach ergeben, wobei z.B. die drei genannten Musiker schon zu Vorbildern und damit natürlich auch immer unbewussten Einflüssen gehören.”

Soundkartell: Zu wie viel Prozent ist eure Musik wirklich handgemacht? (Videodreh, Produktionen, Coverart etc.)

Dominik: “Vielleicht muss man da in zwei Sparten unterteilen. Unsere Musik ist durch und durch handgemacht. Neben unserer Band haben wir beispielsweise für die Albumaufnahmen ein echtes Streichensemble aufgenommen, dessen Arrangements auch aus unserer Feder stammen. Genau so haben wir Bläser dabei, die wir auch ab und an auf Konzerten mitnehmen. Das andere Feld der Produktion liegt auch komplett in unserer Hand, da wir kein Label haben. Wir haben durch Crowdfunding und gezielte, lokale Förderung, z.B. durch die Zeche Bochum oder die Bochumer Symphoniker, immer noch alles selbst gemacht. Lediglich bei den Aufnahmen im Studio sowie Videodrehs oder Artwork hatten wir Unterstützung, jedoch ausschließlich von Freunden, mit denen wir es quasi zusammen gemacht haben. Insofern ist hörBuch wirklich handgemacht.”

Soundkartell: Vom Videodreh, Promotion, Vertrieb alles selbst in die Hand zu nehmen obliegt natürlich dem Vorteil, alles selbst in der Hand zu haben. Seht ihr darin aber nicht den Nachteil, dass dem wichtigsten Part, der Musik zu wenig Zeit zukommt?

Dominik: “Definitiv ist das ganze Drumherum sehr viel geworden. Und wenn es gut läuft wird es ja auch noch mehr. Wir sind gerade dabei unsere organisatorischen und verwaltungstechnischen Aufgaben in der Band besser zu verteilen, nehmen aber gerne Hilfe in Anspruch, wo sie angeboten wird. Zu wenig Zeit kommt für die Musik dabei aber nie, eher zu viel Zeit für das andere… Aber man muss sich ja auch erst mal erarbeiten, dass andere für einen arbeiten können.”

Soundkartell: Was wollt ihr mit dem Albumtitel “Meine Zeit” assoziieren?

Dominik: “Der Albumtitel ist erst nach dem Einspielen aller Songs im Studio entstanden. „Meine Zeit“ gibt den roten Faden des Albums gut wieder. Es geht zum einen darum, sein Leben zu leben und seine Zeit zu nutzen. Zum anderen geht es auch viel über das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Außerdem gibt der Albumname eine mögliche Antwort auf unsere erste Single „Dich oder meine Zeit“.”

Soundkartell: Was erwartet uns musikalisch gesehen, wenn wir die Platte das erste Mal einlegen?

Dominik: “Eine bunte Tüte Gemischtes. Wir sagen bewusst, dass wir Pop machen. Und Pop ist ein weiter Begriff. Also gibt es durchaus unterschiedliche Genres von Jazz bis Rock auf der Platte. Alles hat jedoch einen gewissen hörBuch-Sound und ist daher homogen. Highlights sind musikalisch natürlich auch die Songs mit den Streichern.”

Soundkartell: Welche drei Tracks auf eurem Album sind eure Favoriten und wieso?

Dominik: “Wir sind uns nicht alle hundertprozentig einig, weil jeder den einen oder anderen Favoriten anders hat. Allerdings fällt es uns allen schwer drei Tracks exemplarisch auszuwählen. Aber die größte Schnittmenge haben wir wohl bei „Nostalgie“, „Melodie“ und „Dich oder meine Zeit“. Wobei „Hier gehör ich hin“ für uns immer der größte Live-Moment ist.”

Soundkartell: Welche Musiker & Bands haben auf eure musikalische Entwicklung die größten Einflüsse?

Dominik: “An dieser Stelle gibt es zwei Künstler, die uns sehr beeinflusst haben. Das sind Jamie Cullum und John Mayer. Wir sind große Fans von den beiden und man kann das mit Sicherheit auch in unseren Songs hören. Beide haben ein unfassbar gutes Songwriting und sind überragende Künstler. Mit Sicherheit sind sie auch mit ihren Bands große Vorbilder für uns.”

Soundkartell: Welche Erfahrungen wollt ihr bis zum Ende des Jahres 2014 noch machen? Welche auf jeden Fall vermeiden?

Dominik: “Die beste Erfahrung ist: spielen, spielen, spielen. Wir möchten uns 2014 gerne den Leuten zeigen und unser Album einem breiteren Publikum präsentieren. Wir haben einfach extrem Lust auf Live-Konzerte und neue Erfahrungen in anderen Regionen. Wir spielen auch gerne im gemütlichen Rahmen und unplugged, aber vermeiden möchten wir natürlich, dass wir irgendwo bei einem Gig mehr Leute auf der Bühne, als im Publikum haben. Aber selbst wenn, diese Erfahrung muss jede Band wohl mal gemacht haben.”

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