Ro Bergman Interview
Ro Bergman im Interview zum Album „SAUM“
Mit „SAUM“ veröffentlichte der österreichische Musiker und Songwriter Ro Bergman ein Indie-Rock-Album, das sich in den Zwischenräumen bewegt – zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen laut und leise, zwischen Festhalten und Loslassen. Es ist das erste Album nach ein paar EPs, die der österreichische Songwriter herausbringt. Darauf sind 10 Tracks enthalten und der Titel des Albums birgt schon einige interessante Fragen. Wo verläuft für ihn denn in den neuen Songs die Grenze zwischen den Sounds? Wie verhält es sich bei ihm im Spannungsfeld zwischen Land und Stadt? Denn Ro Bergman kommt zwar vom Land, lebt aber u.a. auch in Berlin. Liebt aber dennoch die Ruhe rundum seiner Heimat, dem Salzburger Lungau.
So entfalten sich 10 Songs in einer Klangwelt, die super breit aufgestellt ist. Er schafft es seine Songs energiegeladen und treibend, aber auch atmosphärisch und seicht zugleich zu formen. Die Rolle des Instinkts wir hier nochmal ganz wichtig, denn aus diesem heraus entstehen seine Songs. Heißt hier trifft womöglich sehr viel Zufall zusammen. Wie genau er das angeht, verrät er jetzt im Interview hier auf dem Blog:
„SAUM“ beschreibt einen Übergangsbereich zwischen zwei Zuständen. Was bedeutet dieser Begriff für dich persönlich – und an welchem „Saum“ befindest du dich gerade in deinem eigenen Leben?
Ro Bergman: „Für mich ist es der Übergang zwischen dem, was war und dem, was noch kommt. Zwischen Festhalten und Losassen – mit Momenten der Wahrheit, die manchmal schmerzhaft und manchnal befreiend sein können. Ich persönlich habe mich schon am Ende eines Weges, einer gedachten und geplanten Zukunft befunden. Wenn sich ein eingeschlagener Weg nicht mehr richtig anfühlt, kann man ihn weitergehen oder eben nicht. Man könnte easy an sich selbst vorbeileben – aber das wäre auch feig. Es hat aber auch Zeit und Mut gebraucht in die Ungewissheit loszustarten.“
Auf dem Album treffen viele Gegensätze aufeinander: Aufbruch und Stillstand, laut und leise, Festhalten und Loslassen, analoge Instrumente und elektronische Elemente. Wie wichtig war es dir, diese Gegensätze nicht aufzulösen, sondern nebeneinander stehen zu lassen?
Ro Bergman: „Ich mag Gegensätzlichkeiten und Kontraste. Ich bin von meinem Typus her gefühlt introvertriert und extrovertiert, mal mehr, mal weniger zurückhaltend. Ich denke, das spiegelt sich auch in meine Songs wieder. Ich mag die Ruhe der Berge und ich mag das Pulsieren der Stadt. Ein Song darf auch gleichzeitig verletzlich und kraftvoll, ruhig und laut sein.“
Du bist in Salzburg aufgewachsen, hast in Tirol und Wien gelebt und warst auch in Berlin – gleichzeitig zieht es dich immer wieder zurück in den Salzburger Lungau. Wie stark prägt dieser Gegensatz zwischen Stadt und Land deine Musik und dein Songwriting?
Ro Bergman: „Also die Orte wo die Songs entstehen, haben definitv Auswirkungen auf den Vibe vom Song. `Interlude II` habe ich beispielsweisen in einer Kirche geschrieben, da durfte ich für eine Woche ab 7 Uhr abends hin und ich mochte die Akustik dort sehr. Ich glaube schon, dass sich solche Räume in einen Song einschreiben und dass man etwas davon später hören oder zumindest spüren kann.“
Gibt es auf „SAUM“ einen Song, bei dem du im Nachhinein besonders deutlich spürst: Hier treffen meine Erfahrungen aus Stadt und Land, Vergangenheit und Zukunft oder Ruhe und Bewegung aufeinander?
Ro Bergman: „`First Cut City Love` und `Skin` sind für mich gefühlsmäßig so Gegenstücke zueinander. Der eine Song beschreibt das Aufleben und Losgehen, mit einer nach vorne gerichteten Offenheit, Zuversicht und Leichtigkeit – einen Neuanfang. In `Skin` hadert man dagegen noch mit sich selbst und mit dem Zutrauen in die eigenen Kräfte. Weil alte Stimmen und zweifelhafte Glaubenssätze noch präsent und spürbar sind – man ringt noch mit ihnen. Erst mit dem Loslassen ergibt sich ein neuer Weg. Das Video zu First Cut City Love wurde in London gedreht das zu Skin im Lungau. Das sagt auch schon viel.“
Du beschreibst deinen kreativen Prozess als sehr intuitiv und aus einem inneren Impuls heraus. Wie viel Planung braucht ein Album wie „SAUM“ – und wann musst du beim Schreiben und Produzieren einfach darauf vertrauen, wohin ein Song dich führt?
Ro Bergman: „Ich habe so 25-30 Songs geschrieben für SAUM – sehr aus dem Bauch heraus aus der Intuition. Danach hab ich schlicht die Songs genommen, die mich am meisten emotionalisiert haben. Im Schreibprozess mag ich, wenn sich die Songs quasi selbst schreiben. Bei den Texten schraube ich dann zumeist schon gehörig lange – bis sie quasi erlebt und gelebt sind. Aus der Textkollage zu einem Songtext.“
„SAUM“ ist dein erstes Album nach drei EPs und gleichzeitig ein ziemlich großes kreatives Statement. Was hat sich in deiner Art, Songs zu schreiben und dich musikalisch auszudrücken, über die Jahre verändert – und was von deinem früheren Ich steckt noch in diesem Album?
Ro Bergman: „Diesmal war es freier, ehrlicher und unbewußter. Ich habe mir vorgenommen mutig und meinem ersten Impuls vertrauend zu sein. Es wird sich zeigen, wohin mich der erste Impuls führt.“
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