Albumreview: Karl die Große „… ist nicht aufgeschoben“

Albumreview Karl die Große „… ist nicht aufgeschoben“

Karl die Große „… ist nicht aufgeschoben“ Albumreview

Mit „… ist nicht aufgeschoben“ veröffentlicht Karl die Große keine klassische neue Platte, sondern eine Sammlung von fünf Songs, die bislang auf dem Schreibtisch liegen geblieben sind. Ein Jahr nach „Aufgehoben“ bekommt das Material nun doch seinen eigenen Raum. Das klingt zunächst nach einer sympathischen Aufräumaktion – und genau so fühlt sich die EP über weite Strecken auch an: persönlich, verspielt und angenehm unperfekt.

Die Entstehungsgeschichte der Songs reicht teilweise bis in die Pandemie zurück. Andere Stücke wurden erst nach den Aufnahmen zu „Aufgehoben“ fertiggestellt. Diese unterschiedlichen Entstehungsphasen hört man der EP durchaus an. Die fünf Songs ergeben kein völlig geschlossenes Albumgefühl, sondern eher eine kleine Sammlung von Momentaufnahmen. Das muss kein Nachteil sein, führt aber dazu, dass „… ist nicht aufgeschoben“ emotional und musikalisch nicht immer dieselbe Konsequenz erreicht.

Besonders stark ist „Wer jetzt kein Haus mehr baut“. Ausgehend von Rilke entwickelt Karl die Große hier ein zeitgemäßes Bild von Zuhause, Sicherheit und Zukunft. Die Sehnsucht nach dem eigenen Haus wird zur Frage nach einem Lebensentwurf, der für viele Menschen längst nicht mehr selbstverständlich ist. Genau hier funktioniert das Songwriting am besten: persönlich genug, um nahbar zu bleiben, und gleichzeitig offen genug, um über die eigene Geschichte hinauszuweisen.

Auch „Die Träume“, „Platz für eigene Notizen“ und „KALTE LUFT“ zeigen die vertraute Stärke von Karl die Große: poetische Texte treffen auf Indie- und Singer-Songwriter-Elemente, die eher auf Atmosphäre als auf große musikalische Gesten setzen. Gleichzeitig fehlt manchen Momenten die letzte Konsequenz. Gerade im Vergleich zu einem regulären Album wirkt die EP stellenweise wie das, was sie ursprünglich war: Material, das aus unterschiedlichen Gründen nicht rechtzeitig seinen Platz gefunden hat.

Und vielleicht liegt genau darin ihre Qualität. „… ist nicht aufgeschoben“ versucht nicht, aus fünf liegen gebliebenen Songs nachträglich ein großes Statement zu machen. Stattdessen lässt Karl die Große diese Stücke atmen und gibt ihnen die Möglichkeit, nun doch gehört zu werden. Das Ergebnis ist nicht ihr zwingendstes Werk, aber eine interessante Ergänzung zu „Aufgehoben“ – und ein sympathischer Beweis dafür, dass auch Songs mit langer Wartezeit noch etwas zu erzählen haben.

Live:

04.09.2026 Zeulenroda-Triebes – Marofkes Sommerfest
09.10.2026 Jena – Trafo
27.01.2027 Chemnitz – Weltecho
30.01.2027 Erfurt – Franz Mehlhose
31.01.2027 Frankfurt am Main – Künstlerhaus Mousonturm
14.02.2027 Lindau (Bodensee)

 

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