Rezension: Karl die Große „… ist nicht aufgeschoben“
Rezension Karl die Große „… ist nicht aufgeschoben“
Mit „…ist nicht aufgeschoben“ erweitert Karl die Große ein Jahr nach dem Album „Aufgehoben“ dessen musikalischen Kosmos um fünf Songs, die bisher im Verborgenen geblieben sind. Doch statt wie bloßes Bonusmaterial zu wirken, entfaltet die EP ihren ganz eigenen Charakter. Die Lieder erzählen von Zwischenräumen, offenen Fragen und Gedanken, die manchmal einfach mehr Zeit brauchen, um ihre endgültige Form zu finden.
Musikalisch bleibt Karl die Große dem vertrauten Mix aus Singer-Songwriter, Indie-Folk und poetischem Deutschpop treu, erlaubt sich aber zugleich mehr spielerische Freiheiten. Besonders „Wer jetzt kein Haus mehr baut“ sticht hervor: Inspiriert von einem Zitat Rainer Maria Rilkes wird das Zuhause hier nicht nur als Ort, sondern als Sinnbild für Sicherheit und Zukunft verhandelt – ein Thema, das gerade für eine jüngere Generation überraschend aktuell wirkt.
Nicht jeder Song entwickelt dabei dieselbe emotionale Wucht wie die stärksten Momente von „Aufgehoben“, und stellenweise merkt man den Stücken an, dass sie ursprünglich nicht für das Album vorgesehen waren. Dennoch liegt genau darin auch ihr Reiz. „…ist nicht aufgeschoben“ wirkt persönlicher, experimentierfreudiger und unmittelbarer als eine klassische Resteverwertung. Die EP ist eine gelungene Ergänzung zum Vorgänger und zeigt, dass Karl die Große auch mit vermeintlich liegen gebliebenen Liedern Geschichten erzählen kann, die es verdienen, gehört zu werden.
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