Feature: Klawuta

Klawuta Debüt-Single Release & Interview

Klawuta mit Debüt-Single „Swear“; Fotocredit: Matthias Ledwinka

Klawuta, so heißt das neue Projekt des Multiinstrumentalisten Matthias Ledwinka aus Österreich. Das neue Soloprojekt ist aus einer kreativen Schaffenspause entstanden. Witzig, denn eigentlich wollte Matthias erstmal eine wirkliche Pause von der Musik. Doch wie das eben so ist bei Berufskrankheiten, lässt es auch Matthias nicht los und so musste unweigerlich ein neues Projekt aus seinen Federn entstehen.

Mit “Swear” bedient er in seiner Debüt-Single die klassische Indie-Rock Nische und er hat sich trotz aller Corona-Widrigkeiten Jonah Matranga als Gastmusiker dazu geholt. Die beiden verstehen sich in dem Track blind und das obwohl sie sich erst 1 mal überhaupt live und in Farbe gesehen haben. So ist das nun mal im neuen Internetzeitalter, manchmal muss man sich gar nicht so oft persönlich sehen und trotzdem hat man eine persönliche Bindung zueinander. Matthias und Jonah sind ja ohnehin nicht an nur ein Instrument fest gebunden. Das macht die Instrumentierung natürlich direkt fülliger und es entsteht ein blumig kantiger und durchaus kurzweiliger Indie-Rock Song, der als ein starkes Debüt von Klawuta betrachtet werden darf.




Das Cover ziert ein Makrofoto eines schwarzen Kristalls. So soll die Thematik nochmal hervorgehoben werden: Es geht um Dunkelheit und die Schönheit der Dinge und Menschen. Sowohl das was nach außen, als auch nach innen sichtbar ist. Mit seinen beeindruckenden Bildern aus den Bergen, der Einsamkeit und Düsterheit harmoniert die gesamte Aufmachung von Klawuta mit dem Song. Und es ist ja gerade einmal das Debüt.

Ich denke Rock’n Roll ist ein sehr subjektives Gefühl. Also absurderweise geht mir im Bezug auf die Live-Erfahrung durch die Covid-Pandemie jetzt nicht viel ab. Ich bin ein Stubenhocker, ich sitze wirklich gern daheim herum.

Um noch weitere Infos über das Projekt zu erfahren, habe ich Matthias einige Fragen gestellt.

Matthias, du bezeichnest dein neues Soloprojekt Klawuta erstmal als neue Spielwiese. Welche Rolle spielt der Faktor “Spaß” in deinem neuen Projekt und was erhoffst du dir, das sich aus dem Soloprojekt nach dem Release deiner ersten Single “Swear” entwickelt?

Klawuta: „Spaß klingt ein wenig danach, als möchte man es nur lustig haben. Ich ersetze den Begriff mal mit „Freude“. Ich mache seit über 20 Jahren aktiv Musik und musste oft feststellen, dass es mir keine Freude mehr bereitet. Das lag meist nicht am Musikmachen selbst – das liebe ich – es lag vielmehr an den Rahmenbedingungen. Die Strapazen von Live-Tourneen, die Erwartungen die mit Veröffentlichungen einhergehen, die Enttäuschungen, wenn sich Erwartungen nicht erfüllen. Das alles hatte sehr an meiner Freude am Musikmachen genagt. Genau diese Aspekte wollte ich mit Klawuta eigentlich loswerden und habe mich auf das besonnen, was mich erfüllt: Das Schreiben und Aufnehmen von Songs in meinem Studio. Ich erhoffe mir für Klawuta, dass es mich in den kommenden Jahren begleitet und – jetzt sind wir natürlich wieder bei Erwartungen – dass sich Menschen finden, die sich meine Musik gern anhören. Man kann sich als Musiker schon vorsagen: „Ich tu das nur für mich.“ Das funktioniert nur bedingt. Musik, die nicht gehört wird? Da fehlt dann ein wichtiger Aspekt.“

Eigentlich wolltest du von der Musik eine Pause einlegen. Hat ja gut funktioniert. Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du den Entschluss gefasst hast, dass die Pause nicht das Richtige ist in deinem künstlerischen Schaffen?

Klawuta: „Ich denke, ich wollte gar keine Pause von der Musik. Ich wollte eine Pause von den Dingen des Musik-Business, die mich belasten. Ich bin mit meinem früheren Projekt Sergeant Pluck himself viele Kompromisse eingegangen, das hat mich auf Dauer sehr ermüdet. Mit dem Entschluss dieses Projekt zu beenden, spürte ich eine große Erleichterung. Die Musik kam dann sehr schnell zurück und es fühlte sich alles viel ungezwungener an. Dass es dann drei Jahre bis zum ersten Release von Klawuta gedauert hat, liegt eher am Faktor Zeit. Ich bin bin selbstständiger Grafiker, Fotograf und Videograf und habe außerdem einen Sohn im Kindergartenalter. Das heißt Musik passiert abends, wenn alle anderen Dinge erledigt sind. „

Im Grunde musstest du allen Erfahrungen, die du am Band-Dasein so liebst (Touren, die Clubs, durchgelegene Matratzen und endlosen Autobahnfahrten) ja entbehren. Wie kann bei so einer Enthaltsamkeit an Live-Erfahrungen so viel neue Leidenschaft entstehen? Ist es die Hoffnung, dass bald wieder alles gut ist?

Klawuta: „Also meine Leidenschaft kam eigentlich nie aus den Erfahrungen on-the-road. Die fand ich immer schon recht entbehrlich. Ich halte wenig von diesem Rock’n Roll-Klischee. Ich empfinde vielmehr dass Vater werden, Beziehungen leben, arbeiten und abends Musik machen ziemlich Rockn’n Roll sein kann, also da fliegen mitunter die Fetzen und es geht ordentlich bergauf und bergab. Ich denke Rock’n Roll ist ein sehr subjektives Gefühl. Also absurderweise geht mir im Bezug auf die Live-Erfahrung durch die Covid-Pandemie jetzt nicht viel ab. Ich bin ein Stubenhocker, ich sitze wirklich gern daheim herum. Und wenn es mich doch mal in den Fingern juckt, hab ich immer noch die Band Lausch, in der ich Schlagzeug spiele.“

Du sagst selbst, dass “Swear” nur der Startschuss für viele weitere Songs darstellt. Kannst du uns einen kleinen Ausblick geben, was uns noch erwartet dieses Jahr?

Klawuta: „Ich plane für dieses Jahr zwei bis drei weitere Songs. Die sind im Grunde auch schon fertig, da geht es nur mehr um Feinschliff und dann um Videoproduktionen, ohne die man heute ja keine Musik mehr veröffentlichen kann. Das Video für den nächsten Track habe ich bereits im Mai bei einem kurzen Urlaub in den Bergen gedreht. Dann wird auch noch ein Performance-Video folgen, in dem ich alle Instrumente selbst spiele. Grundsätzlich möchte ich lieber regelmäßig Songs veröffentlichen als einmal alle drei Jahre ein Album. Was nicht heißt, dass es nicht irgendwann dann auch ein Album geben wird.“

“Swear” ist deine Debüt-Single als Klawuta. Inwiefern war es eine bewusste Entscheidung, dass du dich soundtechnisch gar nicht sooo weit von deinen Vorgänger-Projekten wegbewegst?

Klawuta: „Es war keine bewusste Entscheidung. Die Musik kommt einfach so aus mir raus. Natürlich dachte ich darüber nach, ob Klawuta jetzt ganz anders klingen muss als meine früheren Projekte. Aber genau dieses Müssen und Sollen wollte ich ja hinter mir lassen. Es gibt zwar meist eine Referenz für meine Tracks, also einen Song oder Sound der mich inspiriert hat, aber am Ende klingt es dann doch wieder nach mir und das ist auch gut so. Das bedeutet ja schlussendlich, dass ich meinen eigenen Stil habe.“

Kannst du ein bisschen was zum Entstehungsprozess mit Jonah erzählen? Wie muss man sich das auf Distanz während Corona vorstellen?

Klawuta: „Ich habe Jonah Matranga nur ein einziges Mal persönlich getroffen. Das war bei einer seiner Solo-Shows im Wiener B72 im Jahr 2008. Er ist einer jener Künstler, die übers Internet relativ leicht zu kontaktieren sind. Das mag ich. Man schreibt ihm einfach eine E-Mail, er antwortet persönlich und fertig. Ich hatte schon länger die Idee ein paar meiner früheren musikalischen Idole für einzelne Songs an Bord zu holen. Ich habe ihn gefragt, er hat ja gesagt. Er mochte auch den Song sofort, hat für seine Parts eigene Lyrics geschrieben. Das fand ich großartig, das zeigt mir dass er das Projekt ernst nimmt. Auch fürs Video lieferte er dann Vocal-Parts die ich in den Clip hineinschneiden konnte. Schlussendlich waren für über ein Jahr hinweg immer wieder im digitalen Austausch. Er ist wirklich ein extrem netter und nahbarer Typ. Und ein Musiker mit Leib und Seele, große Empfehlung auch an dieser Stelle sich seine Projekte anzuhören!“

Wie sehr sehnst du dich als Studiomusiker wieder nach physischer Nähe zu MitmusikerInnen?

Klawuta: „Ich war nie ein sonderlich physischer Mensch, also dass Covid die Bussi-Bussi-Begrüßung und das ständige Umarmen von eigentlich fremden Menschen beendet hat, stört mich gar nicht. Aber natürlich gibt es eine besondere Magie, wenn Menschen im selben Raum musizieren. Das ist durch nichts zu ersetzen. Ich stille dieses Bedürfnis über die Band Lausch. Und ganz ohne Gäste komme ich bei Klawuta ja auch nicht aus, ich freue mich schon wenn etwa mein Schriftsteller-Freund Martin Peichl ins Studio kommt um Spoken-Words-Parts aufzunehmen.“

 

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