Feature: BRTHR „High Times For Loners“

BRTHR “High Times For Loners” Albumreview

BRTHR neues Album „High Times For Loners“ im Interview und Feature; Fotocredit: Luzie Marquart

Heute stellen wir dir das neueste Werk des Stuttgarter Trios BRTHR “High Times For Loners” vor.

Es gibt ja in Corona-Zeiten Bands & Künstler*innen, die bestreiten, dass die und die Platte eben nicht wegen Corona so entstanden ist, wie sie jetzt geworden ist. Das mag auch sein, doch ich glaube unterbewusst spielt diese Krise auch bei den Aufnahmen im Studio natürlic eine Rolle. Auf der einen Seite stellt die Krise auch eine unglaubliche Chance dar, sich künstlerisch wieder Input zu holen und den Menschen aus der Seele zu sprechen. Natürlich muss man dann auch noch das Glück haben, gehört zu werden.

Nun folgt ein Album, das wie eine Prophezeiung über dieser gesamten Zeit steht. Es trägt den Titel “High Times For Loners”. Hochzeit, Hochkonjunktur also für all diejenigen, die gerne alleine sind, Einzelgänger eben. Corona hat mitunter auch gezeigt, wer gut alleine zurecht kommt und wer eben nicht. Und das auf ganz dramatische Art und Weise. Dass BRTHR jetzt ein dramatisches Album hinlegen, hat wohl niemand geglaubt. Und doch glauben auch sie auf dieser Platte: Für alle, die gerne Liebe geben und bei anderen Menschen sind sind das absolut tragische Zeiten. Der Titelsong behandelt diesen Kontrast in genüsslicher Weise.




Philipp Eissler singt unaufgeregt und ohne falsche Sentimentalität von Einsamkeit, Vergänglichkeit und Mauern in Köpfen und an Landesgrenzen. Und doch schwingt in allem das hoffnungsvolle Versprechen hellerer Tage mit – ein Album wie das Licht am Ende des Tunnels. Die Songs vermitteln in ihrer Anmutung auch den gewissen Lichtblick. Das Ende aus dieser harten Zeit. Dass BRTHR in dieser harten Zeit ihren lockeren Tune beibehalten war für alle klar. Dennoch gab es bei der Produktion an sich einige Reibungspunkte. Können und dürfen wir einfach so weitermachen? Beide kamen zu dem Schluss, dass eine Veränderung her muss. Also ging es ins Studio.

Im Studio sind 11 Songs entstanden, die ihren groovigen und gelassen Grundton wieder aufnehmen, nur, dass die Themen schwerer geworden sind. Solidarität, Gemeinsamkeit, Einsamkeit, Angst, Migration. BRTHR machen hier auf fantastische Weise mehrere Fässer auf. So muss das sein. “Right Before Our Eyes” soll uns gerade in Migrationsfragen endlich die Augen öffnen. Vor unseren Augen passiert so viel Schlimmes und Entsetzliches, wir können nicht mehr länger wegschauen. Wie lange willst du das noch dulden?

Ihr befasst Euch in “High Times For Loners” mit vielen kritischen Themen wie Solidarität in Coronazeiten, der Migrationspolitik. Inwiefern
haben wir mittlerweile einen Punkt erreicht an dem auch Musiker*innen nicht mehr wegschauen sollten?

BRTHR: Ich glaube man kann da keine generellen Aussagen machen. Es gibt ja auch viele Formen der Beteiligung. Man kann „unpolitische“ Songs schreiben und trotzdem auf eine Demo gegen Rechts gehen. Ob man politisches in seine Kunst einfließen lassen will, ist eine sehr persönliche Frage.

Gab es Momente bei der Produktion, bei denen ihr euch dachtet, das wäre jetzt zu heikel, sich dem Thema anzunehmen?

BRTHR: Nein, dieser Gedanke kam uns eigentlich nie. Wir haben natürlich über die Texte und Themen gesprochen, aber wir sind uns da sehr einig für was wir stehen und das sagen wir dann auch.

Für das neue Album habt ihr altbewährte Muster aufgebrochen und es kam wohl auch zu ein paar Reibungspunkten zwischen euch beiden.
Was habt ihr z.B. aus Meinungsverschiedenheiten und Streits mitgenommen? Und inwiefern hat es die Bindung zwischen euch noch weiter gestärkt?

BRTHR: Wir haben mehr über die Arrangements nachgedacht und teilweise mehrere Versionen von ein und demselben Song aufgenommen. Dafür war bei den letzten beiden Alben oft die Zeit nicht da. Das ist zum einen natürlich eine luxuriöse Situation, kann auf der anderen Seite aber auch zu Meinungsverschiedenheiten untereinander führen. Generell waren bei diesem Album unser Bassist und Produzent Max Braun und Schlagzeuger Johann Polzer mehr im Songwriting involviert und wir haben viele Songs im Studio erst wirklich zu Ende geschrieben. Ich glaube wir sind dadurch als Band noch weiter zusammengewachsen und hören uns musikalisch besser zu.

Welcher ist der Track auf dem neuen Album, auf den ihr am meisten stolz seid? Und gibt es einen, bei dem ihr euch nicht sicher wart, ob er denn generell auf die Platte passt?

BRTHR (Philipp): Für mich ist es „Speak Loud (When You Speak Love)“ weil mir die Botschaft in diesem Song sehr wichtig ist und wir geschafft haben trotz der Schwere der Themen, kein Betroffenheits Song daraus werden zu lassen.
(Joscha): „Speak Loud“ gefällt mir aus denselben Gründen auch sehr gut. Meine geheimen Favoriten sind aber „Lonely Night“ und „The Way It Is“. Dafür habe ich lange gebraucht, um mich auf „High Times For Loners“ einzulassen, weil er musikalisch ein bisschen aus dem Rahmen fällt. Aus diesem Grund hätte es ironischerweise der Titelsong fast nicht auf die Platte geschafft. Erst im letzten Moment konnte Joscha überzeugt werden. Das war ein hartes Stück Arbeit!

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