David Bowie Hommage 2

Hommage an David Bowie – „Black Star – sein letztes Album“

David Bowie Hommage Teil 2

Das Musical “Lazarus“ und die letzten Alben

Nach relativ langer Schaffenspause überraschte Bowie 2013 mit der Single “Where are we now“. Das Video zum Song wurde von Tony Oursler gedreht und es ist eine Hommage an Davids Berliner Zeit 1976-1978. Das folgende Album “The next day“ wurde zu einem seiner erfolgreichsten Alben und ging in Deutschland direkt auf die 1.

2015 wurde das Musical “Lazarus“ zum uraufgeführt. David Bowie hat die Musik für dieses Stück des irischen Dramatikers Enda Walsh geschrieben. Es basiert auf Walter Tevi’s Roman “The man who fell to earth“ was uns wieder zurück zu Bowie bringt: Nicolas Roeg hat dieses Roman in den 70er Jahren verfilmt und kein geringerer als Bowie himself hatte die Hauptrolle. Es lag ihm also persönlich viel an diesem Musical und er kämpfte sich trotzt Krankheit durch alle Proben. Premiere war der 7. Dezember 2015, zugleich auch der letzte öffentliche Auftritt von David Bowie auf dem roten Teppich.

Der schwarze Stern

Die Ankündigung eines neuen Albums zu seinem 69. Geburtstag ließ Jubelschreie bei allen Anhängern aufkommen. Ich habe das Album direkt nach Erscheinen gehört und war sofort mitgerissen und angetan von diesem neuen Bowie Experiment. Er hat es wieder geschafft, er hat sich wieder neu erfunden und nimmt uns mit auf eine neue Reise in die Bowie-Musikwelt.

Das Album kann und muss von zwei Seiten betrachtet werden: Liest man die Rezensionen der ersten zwei Erscheinungstage wird das Album schon hoch gelobt, als eine Art Lebenswerk, als ein phantastischer Bowie der hier mit einem Knall zurück kommt. Diese Ansicht ändert sich auch nicht nach der schrecklichen Nachricht, der Blick auf die Texte erweiterte die Interpretation jedoch schier ins Unendliche. Ich möchte kleine Interpretationsmöglichkeiten aufzeigen, möchte aber allen Hörern ermöglichen, Ihren eigenen Blick auf Bowies letztes Album zu werfen. Gerne würde ich alle Richtungen beleuchten, aber das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen (das passiert ohnehin schon).

Bowie war schon immer bekannt dafür, dass ein Album nicht dem anderen gleicht und seine Fans konnten immer gespannt auf seine neue Musik sein. Natürlich hat er es auch geschafft riesige kommerzielle Erfolge zu feiern, aber viele seiner Anhänger lieben gerade die Vielschichtigkeit seiner Musik. Produziert hat er “Blackstar“ zusammen mit Toni Visconti, seinem Weggefährten seit Ende der 60er Jahre – zusammen haben sie unzählige Platten aufgenommen. Visconti erfuhr zeitnah von Bowies Krebserkrankung und arbeitet zusammen mit ihm an “Blackstar“. Zuerst sah es so aus, als könne David den Krebs besiegen. Als feststand, dass der Krebs stärker war als Bowie, gab er Toni Visconti einige der Songtexte. Visconti reagierte: “ „You canny bastard. You’re writing a farewell album.““.

Vom Jazz und Kendrick Lamar

Die ersten drei Lieder überraschen mit krassem Jazz, einige nennen es auch experimentellen Jazz. Dieser Sichtweise möchte ich mich nicht ganz anschließen. Die verschiedenen Stücke wirken zwar teilweise wie aus dem Rahmen fallend, gar chaotisch, aber man kann spüren wie Bowie in alles eine Ordnung gebracht hat und die Kontrolle nie abgegeben hat. Es gibt hier keinen Zufall. Aufgenommen mit dem Avantgarde-Jazzer Donny McCaslin, dessen Drummer und letztendlich der ganzen Crew, erlebt das erste Lied “Blackstar“ ein wahres Jazz-Feuerwerk, knappe 10 Minuten lang (und bereits gekürzt). Das ist ein Comeback à la David Bowie! Höre ich da etwa eine Harfe? Natürlich! Und ein Saxophon und dazu Bowies Gesang. Teilweise ein Wimmern, teilweise klar aber niemals über die Musik erhebend. “Wir haben viel Kendrick Lamar“ gehört, sagte das gesamte Musiker-Team, als wäre es eine Entschuldigung für den Stilwechsel innerhalb der Lieder von Jazz zu Rap, zu Rock und Pop. Aber dafür muss sich bei diesem Album keiner entschuldigen.

Der Song lebt aus dem Jazz wird rhythmischer, lauter und gar chaotisch. Ein Musik-Wahnsinn. Gefühlt ist das Lied in drei Abschnitte unterteilt: Der Prolog, eine ruhige Einleitung mit elektronischen Akzenten und dem Text “in the villa o formen stands a solitary candle“. Bowie haucht diesen Text, fast betend und trägt ihn zur Musik. Der Hauptteil wird eingeleitet mit Laserklängen (klingt sehr futuristisch), rhythmischen Unterbrechungen und einem Saxophon, welches die Melodie vollends rausnimmt und es in sphärische Klänge überleitet. Nein, das war noch nicht das Ende des Songs, es war gerade die Hälfte! Danach kommt gar ein softer Klang mit klarer Stimme daher “Something happened on the day he died…“ bis sich leicht verzerrter Gesang immer wieder dazwischen mischt “I’m a blackstar, I’m not a gangster“. Der Schlussteil wiederholt den Anfangstext in klarer Form, jetzt sogar melodisch um dann in einem völlig musikalischen Chaos zu enden. Orientalische Elemente untermaueren, dass es in diesem Lied um ISIS gehen soll. Schaut man sich dazu den Text an und nimmt das düstere und bedrohliche des Songs auf, erschließt sich einem diese Message.

Der zweite Song “Tis a pity she was a whore“ steht dem ersten in nichts nach. Bereits 2014 wurde dieser Song auf dem Best-of-Album “Nothing has changed“ veröffentlicht. Für Blackstar wurde er allerdings neu aufgenommen. Auch hier fehlen die einprägsamen Melodien, das Saxophon spielt was es will und Davids Stimme klingt irgendwo dazwischen und bringt seinen Text ein, so das letztendlich alles wieder Sinn ergibt. Von manchen Fans des eher kommerziellen Bowies wird hier schon so einiges abverlangt.

“Lazarus“, als dritter Track und mein absoluter Favorit. Den Anfang könnte man von Joy Division oder The Cure gar nicht unterscheiden. Die Musik kommt elektronisch daher, das einsetzende Saxophon wirkt melancholisch und dann der erste Satz: “Look up here, I’m in heaven.“ Mit 6 Minuten geht dieser Song direkt ins Ohr, man kann Bowies Gesang greifen und sich mit der Musik treiben lassen.

“I’ve got scars that can’t be seen,I’ve got drama, can’t be stolen,
everybody knows me know.“
“Sieh zu mir herauf, ich bin im Himmel.
Ich habe Narben, die nicht sichtbar sind,
ich habe gelebt, das kann mir nicht genommen werden.
Jetzt kennen mich alle.“

Rückblickend, aus dem Himmel heraus, erklärt Bowie als Lazarus was ihm wiederfahren ist. Die unsichtbare Krankheit, die ihn dorthin gebracht hat, sein Leben und Wirken als Star kann ihm aber nicht genommen werden. Jetzt kennen mich alle, sein Geheimnis seiner Krankheit ist aufgeflogen, alle sprechen über ihn. Tiefgründiger kann man es nicht schreiben!

“Sue (or in a season of crime)“ wurde neben “Tis a pity she was a whore“ bereits auf der Compilation “Nothing has changed“ 2014 veröffentlicht. Beide Lieder sind neu bearbeitet und verfeinert und “Sue“ war die erste Zusammenarbeit mit dem Jazz-Qaurtett um Donny McCaslin. Das Lied startet gitarrenlastig, Bowies Stimme eher wankend in der immer schneller werdenden Musik und das immer wieder einspielende chaotisch wirkende Saxophon lassen diesen Track (der kürzeste des Albums mit 4:40 Minuten) erstaunlicherweise rockig erscheinen. Man denkt des Öfteren, das Stück gleitet aus dem Rahmen, aber es fängt sich immer wieder und schafft es sogar in dem instrumentellen Durcheinander Ab und An eine Melodie durchklingen zu lassen. Das ist Bowie – kontrolliert Musikstile vereinen und die Stimme alles verbinden lassen.

Der Übergang zu “Girl loves me“ kommt hart daher. Das Lied verzichtet auf das Saxophon, eine Songstruktur ist klarer zu erkennen. “Where the fuck did Monday go“ lässt die Interpretation zu, dass dass dieser Ausnahmekünstler erneut einen Blick zurück auf sein Leben werfen möchte. Wo ist nur die Zeit geblieben, wo ist das Leben hin. Hip Hop, Massive Attack, das fällt einem zu diesem Werk ein. Entscheidend ist hier jedoch seine Stimme, sie kommt frisch, fordernd daher. Man geht sofort mit, wippt im Rhythmus, singt den Refrain. Erfrischen anders, erfrischend gut. Nach der Hälfte kippt das Lied, das Keyboard trägt den Song ein Stück, es klingt etwas abgehoben bis Bowies Stimme wieder einsetzt und das Lied mit bestimmendem Schlagzeug zum Ende trägt. Sehr interessant ist hier der Text, liest man die ersten Zeilen, hat man das Gefühl sich in der Sprache geirrt zu haben: “Cheena so sound, so titi up this malcheck, say Party up moodge, nanti vellocet round on tuesday.“ Keine Sorge, diese Sprache nennt sich “Nadsat“ und alle denen Clockwork Orange ein Begriff ist, wissen jetzt was gemeint ist. Es ist ein Slang, der in dem Roman gesprochen wird und Bowie als großer Fan dieses Meisterwerkes von Anthony Burgess hat beschlossen seinen Lieblingsroman in diesem Lied mit zu verarbeiten. Zu Grunde liegen könnte auch der Soziolekt Polari, der in den 70ern vor allem in der Homosexuellenszene gesprochen wurde.

Ruhiges Klavier, sanftes Saxophon, eine typische Bowie Ballade? “Dollar Days“ kommt ruhig, fast kommerziell daher. Das Lied entstand spontan und wurde direkt mit aufgenommen. Aber die Ruhe ist trügerisch, das Saxophon setzt ein, klar bestimmend aber melodisch, nicht im Chaos verlierend. Das Lied wird schneller, düsterer, das Saxophon geht mit. “I’m dying to, I’m trying to“ wiederholt David immer wieder. Man muss hier aufpassen, dass man als Zuhörer nicht “I’m dying too verstehen möchte. Der Sänger kombiniert hier Rückblicke auf sein Leben und den Ausblick auf das, was ihn erwartet: “If I’ll never see the english evergreens I’m running to.“

Das Keyboard bringt den nahtlosen Übergang zu “I can’t give everything away“. Hier erwartet uns mit dem einleitenden Satz “I know something is very wrong“ das letzte Stück des Albums und lässt hier keine weiteren Interpretationsmöglichkeiten offen. Wir werden in bester Bowie-Manier aus dem Album hinaus geleitet mit dem Satz “I can’t give everything away“ .

Musikvideos

Die Musikvideos zu “Blackstar“ und “Lazarus“ wurden von keinem geringeren als Johan Renck gedreht (“Breaking Bad“ und “The walking dead“). Die Videos sind eher kleine Filme, Abhandlungen zum Text und diesem Fall muss man deutlich werden: Bowie spielt klar mit seinem bevorstehenden Tod. Er zeigt sich liegend im Bett mit schwarzen Knöpfen als Augen. Hier kann man direkt eintauchen in den Text zu Lazarus. Es bleibt jedem selber überlassen, was er hineininterpretieren möchte, aber klar sollte sein, dass sich dort ein Großmeister der Musikwelt von seinen Fans verabschiedet und ihnen dieses wundervolle Abschiedsgeschenk hinterlässt.

Schluss

Alles ist gesagt. David Bowie hat sich meisterlich verabschiedet. Ich möchte allen Musik-Liebhabern dieses Album ans Herz legen. Egal ob man Jazz mag oder nicht, darum geht es gar nicht. Es ist ein Geschenk und wir sollten es annehmen.

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