Das Reeperbahn Festival im Nachbericht

Das Reeperbahn Festival im Nachbericht

Spielbudenplatz - Reeperbahn Festival

Spielbudenplatz – Reeperbahn Festival

Vergangenes Wochenende reiste das Soundkartell extra für euch nach Hamburg direkt auf die wohl verrückteste Vergnügungsmeile Europas, und wenn nicht sogar der Welt. Von Donnerstag bis Sonntagfrüh ging es auf die Reeperbahn und es stand das Reeperbahn Festival vor der Tür. Schon im Vorfeld hat euch das Soundkartell das Festival etwas näher gebracht. Jetzt gibt es exklusiv einen kleinen Bericht, ja fast schon ein Tagebuch des Festivals. Welche Bands haben wir gesehen, wie war die Stimmung, was waren die persönlichen Highlights? Das alles gibt es jetzt vorab schon in Textform. Es folgen auf diesen Bericht allerdings noch etliche Berichte, also Interviews mit den Bands vom Festival. Ihr könnt also gespannt sein!

Am Donnerstag war dann endlich soweit und ich das Soundkartell kam zusammen mit seinem Kameramann Max in Hamburg an. Wir entschieden uns dann doch für die angenehmere Alternative und reisten mit dem ICE an. Angekommen, ging es erstmal an den Pressecounter und das unwirkliche Gefühl nahm nun einen realen Zug an, denn das Soundkartell hielt binnen weniger Minuten seinen Presseausweis für das wohl wichtigste Festival der Musikbranche in der Hand. Das Festival konnte also rechtzeitig und ohne Komplikationen beginnen. Schon hier muss man allen Organisatoren und vor allen Dingen den Leuten an den Infopoints, Presseschaltern und allen anderen freiwilligen Helfern ein großes Lob ausgesprochen werden. Der Service war wirklich herausragend.

Kaum angekommen betraten wir unser wirklich schönes und stylisches Hostel die „Kiezbude“. Auch der Checkin verlief reibungslos und schon begannen im Zimmer neben dem ersten Astra die Vorbereitungen für das erste Interview auf dem Festival. Wahrscheinlich war es sogar wirklich das erste Interview der Band auf dem Festival, denn Pool kam gerade frisch aus dem Soundcheck und begrüßten uns mit ihrer äußerst sympathischen und unaufgeregten Art und Weise. Auf der Suche nach einem geeigneten Interviewort ließen wir uns -was allerdings den Aufnahmen nicht schadete- direkt vor der Weststage nieder. Im Interview sprachen wir mit mehr als sympathischen Musikern. Das Konzert der Hamburger Band Pool war für 22.00 Uhr in der sagenumwobenen Molotow Bar angesetzt. Doch zuvor ging es ab 20.00 Uhr bereits ins Docks um den Wiener Rapper Gerard zu sehen. Leider war das Konzert lediglich auf 25 Minuten angesetzt. Aber das tat der Qualität keinen Abbruch, denn Gerard gab alles und gab vor allem einen ersten Vorgeschmack auf sein bald erscheinendes drittes Album. Das Konzert bestätigte seine auf dem Album so starke Performance.

Gerard live im Docks

Gerard live im Docks

Nach diesem Konzert stand nach kurzer Pause die Hamburger Band Pool auf dem Plan. Und nur so viel sei gesagt: Von Pool wird man spätestens mit ihrem Album noch so einiges hören. Denn die Show war einfach nur großartig und bestach durch so hoch professionell abgemischte Musik, dass man seinen Ohren nicht traute. Aus ihren drei Instrumenten holten sie das Maximum heraus. Die Molotow Bar platzte derweil zu recht aus allen Nähten.

Apropos aus allen Nähten platzen: Es war wirklich äußerst schade, dass das Imerial Theater anscheinend bis zum letzten Sitzplatz gefüllt war, denn ansonsten hätten wir einen Blick auf die Schotten Admiral Fallow werfen können.

Explosiv, tanzbar und qualitativ wirklich überragend. Mit Pool und Gerard gelang ein fulminanter Einstieg in das Festival. Direkt nach Pool folgten die jungen Herren aus Newcastle: Shields. Diese machten dort in der Molotow Bar weiter, wo Pool aufgehört hatte. Die Stimmung war wirklich herausragend gut und es störte auch nicht weiter, dass es noch immer erdrückend voll war. Nach bisher drei schweißtreibenden Konzerten nahmen wir die eigens dafür eingerichtete Reeperbahn Festival Arts Lounge in Anspruch um sich mal etwas zu entspannen. Die Arts Lounge erfüllte ihren Zweck und nach einer erholsamen Pause ging es nochmals in die Molotow Bar, dieses Mal allerdings in den Keller, denn dort legte ein DJ – dessen Namen ich mich nicht mehr entsinne – Indiedisco auf. Am Ende stand ein wirklich gelungener und dennoch anstrengender erster Festivaltag und definitiv der Eindruck, dass wir mit der Musik von Kakkmaddafakka nichts anfangen können.

Pool live in der Molotow Bar

Pool live in der Molotow Bar

Der zweite Tag begann am Freitag schon recht früh, genauer gesagt um 12 Uhr. Denn auf diese Uhrzeit waren wir mit Gerard auf ein Interview verabredet. Da zu dieser Zeit die Festivalmasse noch in den Betten lag, war es recht angenehm das Interview im Freien zu führen. Das Interview selbst gibt es nochmal in einem gesonderten Artikel zum Nachhören.

Da das Festival nach dem Interview noch keine Programmpunkte in Sachen Musik hatte machten wir uns auf, um uns etwas Kultur in Hamburg zu Gemüte zu führen. Deshalb ging es in das kreative Schanzenviertel und nach St. Pauli. Beeindruckt von der schier unendlichen Kreativität und dessen alternativen Läden schlenderten wir diese Meile entlang. Abseits des üblichen Reeperbahn Trubels.

Viel Zeit blieb uns allerdings nicht, denn es stand schon der nächste Programmpunkt ab 18.00 Uhr auf dem Plan. Wir hatten uns mit der äußerst sympathischen Tourmanagerin Eva der dänischen Band VETO verabredet. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht verschweigen, dass ich selten zuvor so aufgeregt war, denn VETO gehört mitunter zu meiner absoluten Lieblingsband und hat mich in meinem Musikgeschmack geprägt, wie selten eine Band zuvor.

Shields live in der Molotow Bar

Shields live in der Molotow Bar

Mit Herzrasen quartierten wir uns in die angenehme Hotellobby des Monopol Hotels auf der Reeperbahn ein und trafen mit Troels und Jens zwei äußerst sympathische und unaufgeregte Dänen. Auch hier gibt es das Interview noch in Kürze in voller Länge zum Nachhören. Nach dem – wohl unvergesslichen – Interview mit VETO stand auch schon gleich der nächste Anlauf auf dem Plan: der Kaiserkeller. Es freut mich riesig, dass ich über die Veranstalter auf einen offiziellen Empfang eingeladen worden war. Es handelte sich dabei um die Luxembourg-Night, ein Showcase mit luxembourgischen Bands also. Auf diesem Empfang galt es erste Kontakte in der Musikbranche zu knüpfen. In einer äußerst angenehmen Atmosphäre genossen wir dabei die Freibiere und unbekannte luxembourgische Bands wie Monophona und Inborn!.

Da war es auch schon fast 21.00 Uhr und wir mussten uns im gewohnten schnellen Laufschritt schon wieder auf machen ins Café Cheese. Dort spielten die Esten Ewert & The Two Dragons. Diese Formation veröffentlichte in diesem Jahr ihr zweites Album und ließen im Café Cheese eine solche spannungsvolle Stimmung entstehen. Mit Songs wie “There`s Only Love”, “The Rabbit” oder “Good Man Down” verzauberten sie ihr Publikum. Beeindruckt von diesem Live-Konzert gönnten wir uns wieder mal eine Verschnaufpause, dieses Mal allerdings im Hostel und ließen unsere weiteren Freunde – die erst Freitagabend mit dem Regionalverkehr anreisten – einchecken.

Ewert & The Two Dragons live im Café Cheese

Ewert & The Two Dragons live im Café Cheese

Allzu viel Zeit blieb uns dabei nicht, denn wir mussten leider die Band Husky in der St. Pauli Kirche sausen lassen um einen passablen Platz bei VETO im Grünspan ergattern zu können. VETO begann dabei pünktlich um 0:00 Uhr und spielte ein beeindruckendes Set. Dabei waren gar nicht allzu viele neue Songs auf ihrer Playlist. Im Gegenteil, sie spielten in dieser einen Stunde wirklich fast ausschließlich alte Stücke. Einzig und allein ein neuer Track des Albums Sinus war zu hören. VETO lieferte eine astreine Show ab und beeindruckte auch hier mit seiner Soundgewalt. Völlig vollgeschwitzt und etwas müde in den Beinen verbrachten wir die weitere Zeit damit auf das DJ-Set von Rangleklods im Übel & Gefährlich zu warten. Wir wussten natürlich nicht, wie weit es von der Reeperbahn aus bis zum Übel & Gefährlich ist. Umso länger kam uns der Hinweg auch vor. Gerade noch rechtzeitig schafften wir es um 03:00 Uhr in den Club und waren etwas über das Set von Rangleklods erstaunt. Eigentlich hatten wir etwas softeren Minimal erwartet. Das mag auch an unserer Müdigkeit gelegen haben, aber Fakt ist, dass Rangleklods deutlich elektronischer daher kam. Das war uns anfangs etwas zu stressig, nach all der Anstrengung. Aber die breite Masse feierte ihn ausgiebig und das zu Recht. Vollkommen schlaftrunken wandelten wir mit einem kleinen Absacker im Grünen Jäger nach Hause in Richtung Hostel und in unsren wohlverdienten Schlaf.

VETO live im Grünspan

VETO live im Grünspan

Am letzten Festivaltag standen nochmals etliche Programmpunkte auf dem Plan. Nach einer ausgiebigen Stadttour ging es gegen 20.00 Uhr zur Danish-Night ins Indra. Das Indra war nun an diesem letzten Abend wirklich bis zum letzten Platz voll und so begaben wir uns mit kleinem Unmut wieder in Richtung Reeperbahn um uns zwei junge Herren anzuschauen, die wir zuvor schon seit Donnerstag jeden Tag gesegen hatten: Tangarine Wir kannten zwar ihre Musik nicht, aber dennoch entschlossen wir uns aus genau diesem Grund die Niederländer sehen zu wollen. Angesetzt war das Konzert in der relativ kleinen Hasenschaukel und was uns jetzt an Musik erwartete übertraf bzw. bestätigte unsere Vorahnungen. Tangarine besteht aus einem Zwillingspaar, die wirklich haargenau gleich angezogen waren, selbe Frisur und ein Erscheinungsbild, dass man zuvor nur selten sah. Ja, und welche Musik hörte man jetzt?

Also ich möchte jetzt nicht abwertend sein, oder dergleichen, aber die Musik die die zwei dem Publikum zum Besten gaben, war schlicht sehr soft. Lediglich zwei Gitarren und ein Glockenspiel fanden in ihrem Repertoire einen Platz und sie hauchten ihre Texte derart so leise in das Mikrophon, dass man beim Zuhören wirklich schmunzeln musste. Für ein Pärchen wäre diese Musik natürlich schön geeignet, aber uns sprach diese nicht wirklich zu. Trotzdem waren wir so fair und hörten uns ihr gesamtes Programm an, machten uns danach aber sofort auf in die St. Pauli Kirche. Wieder im schrägen und schnellen Laufschritt.

Einar Stray live in der St. Pauli Kirche

Einar Stray live in der St. Pauli Kirche

In der St. Pauli Kirche empfingen wir eine sagenhaft gute und ergreifende Stimmung, dort spielten Einar Stray mit seiner Band. Die Musik passte perfekt an diese Location und der Sound bekam dadurch einen einmaligen Charakter. Das war mitunter akustisch wirklich eines der Highlights auf dem Festival und wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten, so wunderschön war die Location in der Kirche erdacht. Direkt nach diesem ergreifenden Konzert – und hier trifft der Begriff Konzert wirklich voll zu – marschierten wir von der St. Pauli Kirche aus weiter wieder zurück ins Indra. Dort wollten wir unbedingt das Live-Set des Dänen Rangleklods erleben und hören. Gerade noch so, fanden wir dort auch Platz und was Rangleklods dort ablieferte war wirklich großartig. Eine makellose Liveshow zusammen mit seiner Bassistin lieferte er dem Publikum und bestach besonders durch seine fulminante und grandiose Stimme.

Rangleklods im Ü&G

Rangleklods im Ü&G

Viel Zeit blieb uns auch jetzt nicht zum nächsten und somit auch letzten Konzert auf diesem bisher wirklich unvergesslichen Festival. Genau 50 Minuten blieben jetzt zwischen der wohl besten Currywurst auf der Reeperbahn und dem sehnsüchtig erwarteten Act Electric Guest. Dieses Mal mussten wir wieder ins Übel & Gefährlich pilgern. Doch jetzt fuhren wir mit dem Taxi – was sich auch als schlau erwies, weil wir ansonsten wohl einiges verpasst hätten – direkt vor den Club. Über eine Stunde lang beeindruckten die noch jungen Musiker von Electric Guest und spielten ihr Debütalbum mit Bravour ihrem schon zahlreichen Publikum vor. Bei ihrem Auftritt bestätigte sich allerdings der Eindruck, dass Electric Guest stark von ihrem Frontman profitieren bzw. sogar eher von ihm abhängig sind. Denn er ist es, der den Drive in ihre Musik bringt, und es fiel zudem auf, dass die neueren Songs, die sie präsentierten schon sehr ins Radio-Gedudel abdrifteten. Nichtsdestotrotz legten Electric Guest einen mehr als gelungenen Schlusspunkt des Festivals.

Electric Guest live im Ü&G

Electric Guest live im Ü&G

Begeistert von all den guten Bands und der reibungslosen Abläufe auf dem Festival machten wir uns am Sonntagfrüh auf die Heimreise und können festhalten, dass das Reeperbahn Festival mitunter zu den besten Festivalbesuchen zählt, die wir bisher hatten. Es stimmte einfach alles, die Locations waren super gewählt, alle Besucher waren freundlich und ausgelassen, die Bands die das Soundkartell interviewt und getroffen hat waren auch alle mehr als sympathisch. Es war natürlich aber auch wie so oft auf einem Festival, dass man nicht immer alle gewünschten Bands sehen konnte, weil diese parallel zu einer anderen spielten. Eine interessante Anmerkung zum Schluss: Ein Teil unseres Festivalteams taten sich wirklich das Konzert von CRO an, und waren von seinem Konzert dann doch etwas enttäuscht. Das zeichnet das Reeperbahn Festival eben auch aus, Masse bedeutet hier oftmals nicht Klasse.

In diesem Sinne kann man sich nur bei allen Beteiligten bedanken, die das Festival möglich gemacht haben. Den Veranstaltern, allen Helfern an den Countern, dem Wetter und vor allem den Bands!

Das Soundkartell hofft auch nächstes Jahr wieder für euch dabei sein zu dürfen!

Eine Antwort zu “Das Reeperbahn Festival im Nachbericht

  • Morgen folgt das Interview mit Pool, Dienstag das mit Gerard und am Mittwoch werden die Dänen von VETO zu hören sein!
    Bleibt dran!

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