Albumreview Tal Arditi „Love Myself“

Tal Arditi Albumreview „Love Myself“; Fotocredit: Alicia Pfeifer
Mit „Love Myself“ legt Tal Arditi ein Album vor, das weniger Antwort als vielmehr offener Prozess ist. Statt plakativer Selbstliebe erzählt er von einem Zustand dazwischen – vom Versuch, sich selbst auszuhalten. Songs wie „Supernatural Loving Star“ oder „In Between World“ wirken dabei wie Momentaufnahmen eines inneren Dialogs. Während ersterer die bewunderte Stärke seiner Großmutter fast zärtlich umkreist, fängt „In Between World“ die Flüchtigkeit intensiver Erinnerungen ein. Es sind keine großen Gesten, sondern leise Beobachtungen, die sich Stück für Stück entfalten.
Klanglich geht Arditi bewusst einen Schritt zurück – und gewinnt genau dadurch an Tiefe. Die Arrangements sind reduziert, oft getragen von seiner charakteristischen Akustikgitarre, ergänzt durch subtile Samples und feine, fast schwebende Texturen. Dieser sparsame Einsatz von Mitteln schafft Raum: für Zwischentöne, für Unsicherheit, für Emotionen, die nicht sofort greifbar sind. Gerade diese Zurückhaltung macht „Love Myself“ so eindringlich. Arditi verzichtet auf Dramatisierung und lässt Zweifel stehen, ohne sie aufzulösen. Seine Stimme bleibt nahbar, verletzlich, manchmal fast suchend – und genau darin liegt die Stärke des Albums.
Was bleibt, ist ein Werk, das sich nicht anbiedert, sondern fordert: Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf Unfertigkeit einzulassen. „Love Myself“ ist kein Zielpunkt, sondern eine Momentaufnahme im Werden – und vielleicht gerade deshalb so glaubwürdig.