Feature: Femi Luna

Femi Luna im Interview zu „Wash My Pain Away“

Femi Luna im Interview zum Album; Fotocredit: Sara Melvin

Mit „Wash My Pain Away“ legt Femi Luna ein Album vor, das sich nicht laut behaupten muss, um Wirkung zu entfalten. Es ist ein Werk der leisen Intensität – eines, das sich Zeit nimmt und genau daraus seine Kraft schöpft. Entstanden in einer abgelegenen Kirche im kanadischen Quyon, trägt jeder Moment dieser Platte die Handschrift dieses Ortes. Die Kälte draußen, die Stille im Inneren – all das scheint sich unmittelbar in den Sound eingeschrieben zu haben. Femi Luna selbst beschreibt, wie die Ruhe der Umgebung den Aufnahmeprozess geprägt hat: Raum wurde bewusst zugelassen, Entscheidungen oft erst im Moment getroffen. Genau dieses Vertrauen in Stille und Reduktion ist es, was „Wash My Pain Away“ so besonders macht.

Thematisch bewegt sich das Album entlang von Verlust, innerer Unruhe und vorsichtiger Selbstannäherung. Dabei wirkt nichts überinszeniert. Stattdessen nähert sich Femi Luna ihren Emotionen behutsam, fast tastend. Songs wie „Empty“ oder „Anxiety“ zeigen diese Zerbrechlichkeit besonders deutlich: Sie funktionieren weniger als klassische Songs, sondern vielmehr als Momentaufnahmen – eingefrorene Gefühle, die sich langsam entfalten. Im Interview wird klar, dass dieser Zugang stark aus einem persönlichen Prozess heraus entstanden ist. Es geht um das bewusste Innehalten, um das Zulassen von Gefühlen, die zuvor vielleicht verdrängt wurden. Songwriting wird hier zur Selbstbeobachtung, fast schon zur Therapie. Dass Femi Luna dabei intuitiv arbeitet, spürt man: Die Songs wirken nie konstruiert, sondern folgen einer inneren Logik, die sich eher fühlen als erklären lässt.

Trotz aller Schwere liegt über dem Album ein feiner Schleier aus Trost. Vielleicht, weil es nicht nur um Schmerz geht, sondern auch um das Verstehen dieses Schmerzes. Oder, wie Femi Luna es selbst formuliert: Die Musik soll das geben, was man gerade braucht – Verarbeitung oder Hoffnung. „Wash My Pain Away“ ist kein Album für nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und Offenheit. Wer sich darauf einlässt, findet jedoch ein zutiefst ehrliches Werk – eines, das zeigt, wie viel Stärke in Zurückhaltung liegen kann.

„Wash My Pain Away“ ist in einer abgelegenen Kirche in Kanada entstanden – wie hat dieser besondere Ort deinen kreativen Prozess und vor allem deinen Umgang mit Stille beeinflusst?

Femi Luna: „Wir – Michael Dubue (Produzent) und ich – hatten uns in der Vorproduktion bereits darüber unterhalten, dass die Songs viel Platz lassen. Dies gab uns die Möglichkeit während den Aufnahmen zu entscheiden, wo es was braucht. Bei der Umsetzung hat diese einzigartige Location und die schneebedeckte Umgebung sicherlich zu dieser Soundatmosphäre beigetragen. Der Ort strahlte eine gewisse Ruhe aus, welche sich auch in die Songs übertragen hat.“

Dein Album bewegt sich stark zwischen Verlust, Sehnsucht und Selbstreflexion. Gab es einen konkreten Moment oder eine Erfahrung, die den emotionalen Ausgangspunkt für diese Songs gebildet hat?

Femi Luna: „Das zurücktreten, mir mehr Zeit und Raum geben und tiefer hineinschauen, was im Inneren vorgeht. Verdrängtes hervorholen, neue Gefühle zulassen, mit Ängsten konfrontieren und mich mit (plötzlichen) Ereignissen auseinandersetzten. Wie ich selber und mein Umfeld oder vom gleichen Ereignis betroffene Personen mit Verlust umgehen.“

Viele deiner Stücke leben von Zurückhaltung und Raum – wie entscheidest du im Songwriting, wann ein Song „weniger“ braucht, um mehr zu sagen?

Femi Luna: „Wenn ich Songs schreibe, geschieht dies intuitiv nach Gefühl, wie es sich für mich richtig anfühlt. Wenn es eine Entscheidung ist passiert dies eher unterbewusst. Mit etwas zeitlichem Abstand wird manchmal aber auch noch was hinzugefügt oder rausgestrichen.“

Songs wie „Empty“ oder „Anxiety“ wirken sehr intim und verletzlich. Wie gehst du damit um,
so persönliche Gefühle musikalisch zu teilen – gibt es dabei auch Grenzen für dich?

Femi Luna: In den Songs versuche ich jeweils ein Gefühl/einen Moment festzuhalten, welchem ich mir durch das Schreiben bewusster werde, worum es geht oder was in mir/in andern vorgeht. Oft sind die Songs für mich dann auch ein Reminder oder eine Reflexion, was mir weiterhilft zu verstehen. Da vergesse ich manchmal auch, dass ich da viel persönliches mitreingepackt habe. Viellicht auch weil ich mir bewusst bin, dass ich nicht alleine bin damit.

Du beschreibst deinen Weg zur Musik selbst als „zufällig“. Wenn du heute auf dein zweites Album blickst: Was hat sich in deinem Selbstverständnis als Künstlerin verändert?

Femi Luna: „Ich merke, dass ich mehr bei mir angekommen bin und es jetzt eine bewusste Entscheidung ist, diesen Weg als Musikerin gehen zu wollen.“

Trotz der Schwere mancher Themen hat das Album auch etwas Tröstendes. Was wünschst du dir, dass Hörer:innen aus „Wash My Pain Away“ für sich mitnehmen – eher Verarbeitung oder Hoffnung?

Femi Luna: „Das was sie gerade brauchen. Beides schön und bereichernd.“

 

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