Marvpaul – Intelligenter deutschsprachiger Indie-Rock

Marvpaul

Im Moment und in den letzten Jahren erfuhr der deutschsprachige Indie-Rock oder Indie-Elektro ein wahres Hoch. Und diese Welle ebbt mit Bands wie Kraftklub, Fotos, Kettcar oder dem Gisbert zu Knyphausen so schnell nicht ab. Denn seine Songs in deutsche Texte zu verpacken war und ist schon immer eine Gratwanderung gewesen. Wenn man seine Lyrics auf Deutsch schreibt muss jede Zeile passen, und der Refrain muss ja in dieser so schwierigen Sprache auch eingängig sein. Deutsch-Rock hat in der Musikbranche keinen allzu guten Ruf und die Gefahr, dass einem nach ein paar Songs die Musik Kopfschmerzen bereitet ist deutlich höher, als wenn eine Band auf Englisch textet. Dort kann man sich dann doch freier verkaufen und hören lassen.Es ist also so, dass man als Band wirklich einen guten Texter in seinen Reihen braucht, damit man auch Gehör findet. Doch die Band die jetzt kommt zeigt, dass es gar nicht so schwer ist Indie-Rock auf Deutsch hörbar und tanzbar zu gestalten: Marvpaul

Dabei haben wir es hier mit blutjungen Bayern zu tun, die sich wie es noch im Bandbilderbuch steht an der Uni erst formiert haben. Die Band setzt sich aus dem Clemens (Gitarre, Akkordeon), Gregor (Bass), Maximilian (Keyboard) und Johannes (Schlagzeug) zusammen.

Ihr Debütalbum erschien am 14. Januar diesen Jahres und wurde „Es gibt hier nicht nichts zu tun, aber etwas anderes gibt es auch nicht.“ getauft. Sie hören sich an wie die früheren Franz Ferdinand oder wie die so gehypten Jungs von Kraftklub. Stimmlich reiht sich Marvpaul in Richtung der Fotos ein, wobei in den Texten hauptsächlich das Thema „Stadt“ verarbeitet wird. Dabei wird der Alltag recht treffend beschrieben.

Über deutsche Texte wurde oben ja schon gesprochen, doch bei Marvpaul verhält es sich so, dass man mit äußerst intelligenten Texten auffällt. Diese sind zwar keineswegs lustig, aber dennoch weder verbohrt noch wirken sie stocksteif.

Eröffnet wird die Platte mit dem Track „Blasse Gesichter“. Ein durchaus gelungener Titel, der mit seiner Disharmonie, aber dennoch eingängier Melodie die Marschroute von Marvpaul vorgibt.

Diese wird sogleich im nächsten Titel „Mit den Hunden“ durch schön verzerrte Gitarrenriffs und einem Keyboardteil eingeleitet. Die Riffs auf der Gitarre erinnern an die alte Zeit von Franz Ferdinand und Arctic Monkeys. Man trifft hier auf Stellen im Text wie „Das Kind verhöhnt die ganze Welt, es kann nicht glauben, dass bald genauso mit den Hunden bellen wird“, die man beim zweitenmal Hören schon im Ohr hat. Weiter geht es mit dem vortrefflichen Song „Zeit zählen“. Dieser hat ein so prägnantes Orgelintro, das widerum von einem super Gitarrenarrangement überdeckt wird. Der brilliert auch hier mit Stellen wie „Die Zeit ist so gleich, keiner kann sie mehr zählen…“ , bis dann letztendlich im Refrain der Albumtitel mit wummernder Schlagzeugbegleitung im Sprechgesang geschrien wird. Das Schlagzeug nimmt in den neun Tracks sowieso eine sehr starke Position und Funktion ein und lässt „Zeit zählen“ zusammen mit der Gitarre fulminant enden.

Ihre Authentizität stellt Marvpaul mit „Diese Tage sind goldwert“ unter Beweis. Es ist von Sonntagabenden, dem Alltag und eben Tagen die Rede, an denen man den Tag einfach mal Tag sein lassen kann. Es passiert nichts, und genau das ist es was man eigentlich mal genießen sollte. Eine schöne Weisheit, die uns Marvpaul hier näher bringt.

Man merkt in den Songs der jungen Bayern, dass sie ordentlich Gas geben können und noch vor Energie sprühen. Genau das, zeigen sie auch in „Fange an!“. Tempo, ein nach vorne treibender Beat und ein wunderbarer Refrain. Wie sooft leitet auch hier wieder das Keyboard ein und nach ein paar Sekunden erklingt ein rauchiges Gitarrenriff. Die Keyboardline zieht sich beinahe durch den gesamten Titel.

Wer jetzt meint, das Repertoire von Marvpaul sei bereits aufgebraucht, denjenigen lehren sie eines besseren. Denn es folgt nun „Chanson de la recherche“. Genau richtig gelesen, ein Chanson. Hier klingt es nach Chanson, der Titel heißt auch Chanson und er hat auch die typischen Inhalte eines Chansons. Ganz große Klasse, vor allem der Einsatz des Akkordeons.

Danach wird es mit „Telefixiert“ allerdings wieder sehr punkig. Und spätestens hier zieht der Vergleich mit Kraftklub. Wobei Marvpaul seinen ganz eigenen Charme versprüht und es handelt sich ja nicht um irgendeinen Abklatsch, nein Marvpaul ist auch hier sehr innovativ.

Die Platte neigt sich nun schon dem Ende und man hofft, dass es Marvpaul gelingt wie bei „Auf nach irgendwohin“ , musikalisch nicht im Nirgendwo landet. Es geht in der nächsten Zeit hoffentlich raus auf die großen Bühnen.

Den Abschluss auf ihrem Debüt macht „Die Nacht hat mich“ und gibt nach anfänglich gemächlichem Tempo nochmal ordentlich Gas. Wobei der Wechsel vom temporeichen Refrain und der recht getragenen Strophe nochmal alles an Energie rausholt.

Mit „Es gibt hier nicht nichts zu tun. Aber etwas anderes gibt es auch nicht.“ haben die vier Jungspunde um Marvpaul ein äußerst beachtliches Debüt hingelegt. Sie ist zwar mit nur neun Titeln etwas kürzer, als man es gewohnt ist, aber dafür füttern sie den Hörer mit exquisiten Häppchen. Man bekommt richtiggehend Lust auf mehr. Die Jungs sind zwar alle noch recht jung, doch mit Hilfe ihrer guten Musik, die sie produzieren haben sie nur ein Ziel vor Augen: Professionelle Musiker werden. Dies wird ihnen hoffentlich nach ihrem Debüt auch gelingen.

Hier gibt es jetzt den Track „Fange an!“. Und ihr solltet spätestens jetzt auch anfangen Marvpaul zu hören!

[soundcloud]http://soundcloud.com/soundkartell/marvpaul-fange-an[/soundcloud]

 

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