Die KYTES im Interview – ein Gespräch über Glück, und nicht viel mehr

KYTES im Interview

KYTES im Interview

Good Luck – das sagt sich zwar genauso leicht wie YOLO, Carpe Diem oder Danke, so leicht, wie watteweiche Wölkchen am blauen Himmel herumschweben, Zitronendrops auf der Zunge zergehen, ein halbes Hähnchen in Papas Magen verschwindet und ich’n Strafzettel für einminütiges Falschparken bekomme… Eigentlich beschreibt Good Luck jedoch die wundervolle Geste, jemandem Glück zu wünschen – und davon reichlich! So viel, dass es fast schon wehtut. Doch was genau ist Glück? Tja, um dies zu beantworten, müsste man mindestens beim Urschleim anfangen und dann noch’n Abstecher zu Aristoteles machen… Da wir nicht genügend Zeit dafür haben, fragen wir einfach die KYTES! Die wissen nämlich alles und sind die Erfinder des Glücks! Jawohl. Die, die das Glück pellen und nackig machen, so, dass es für jeden greifbar wird!

Wir trafen uns gestern zuhaus’ bei den Spatzen, im völlig verschneiten München, in einem urig-alten Probenraum, herrlich-ehrlich muckelig. Ein Hinterhof, den man so nur von seinen Großeltern kennt, die irgendwo mit ihren drei Hühnern, einer Katze und ’nem Gemüsegarten abseits vom Schuss wohnen – genau so sah das aus. Innen mit Holz verkleidet, sich stapelnde Sofas, ein Kühlschrank mit einer Auswahl aus kühler Mate und Bier! Bereit zu versacken, wegzudösen und zu überwintern… Wie man hier produktiv geile Tracks in die Welt entlassen kann, is’ mir’n Rätsel. Ihr Herzblatt Good Luck jedoch, ist das beste Beispiel dafür, dass dies geht! Dieses darf heute das Licht der Welt erblicken, Plattenschränkchen zieren und über Barcode Scanner ’rüberutschen! Juhu!

Ein Album, therapierender als Räucherstäbchen und Schweigeklöster in Indien. Doch nicht nur Good Luck ist mit sich im Reinen, viel mehr sind es die vier Boys, die hinter dem Ganzen stecken. Flauschig, harmoniebedürftig und tiefgründig, so sprudelten sie an dem gestrigen Abend nur so vor Weisheiten! Es folgt kein klassisches Interview, sondern viel mehr ein Gespräch, welches ungefähr genauso friedvoll verlief, wie der Summer of 69 (glaubt mir, fragt Timothy nach Blind Freddy und der reißt Euch den Kopf ab). Ein Gespräch über Glück, über die kleinen, feinen Dinge im Leben, Musik und Erfüllung! Denn darum geht es schließlich am Ende des Tages – glücklich zu sein! Und nicht viel mehr. 

Michi: Glück ist ein großes Thema, eine endliche Ressource, die eigentlich jeder auf der Welt sucht. Jeder sucht es auf eine andere Art und Weise – ich mag diesen Gedanken voll gerne – aber es gibt halt leider nicht für jeden Glück… Das denken viele! Aber vielleicht, wenn nicht jeder für sich alleine das Glück suchen würde, dann würd’ es auch für alle reichen. 

Nele: Was ist denn für Euch Glück? 

Timothy: Die Frage haben wir uns auch ultra oft gestellt beim Schreiben – sind wir glücklich, sind wir nicht glücklich… Wir sind schon glücklich, allein wegen der Band, und weil wir Musik machen. Das ist irgendwie unsere Erfüllung. Für manche Leute ist es Kohle, im Job ganz nach oben aufzusteigen und für uns ist es die Musik! Und ich find’ den Gedanken voll schön, dass wenn wir Songs schreiben und Musik machen, dass wir dann auch ein bisschen was von unserem Glück abgeben können.

Nele: Inwieweit verfolgt Good Luck denn ein bestimmtes Konzept?

Michi: Was sich meiner Meinung nach gerade voll durch unser Album zieht, ist, dass es in jedem Song irgendwie sowas gibt, was persönlich mit uns zu tun hat. Irgendwo findest Du immer eine Komponente von wegen dem geht’s da mal so, der fühlt sich gerade so und so, der ist gerade glücklich deswegen, der hat jetzt sein Ziel und will das erreichen, der läuft gerade vor seinen Problemen weg… Das hat alles persönlich mit uns zu tun und das kann man dann aber eben auch auf die große Allgemeinheit anwenden. Das sind dann auch persönliche Geschichten, wie bei Go Out zum Beispiel – und das kennt jeder noch von früher.

Nele: Früher, da is’ man ohne Handy, ohne Social Media Wahnsinn durch die Straßen getollt, hat frische Luft geschnuppert, sich regelmäßig seine Hosen zerschlissen… Man hat live und in Farbe gelebt! Würdet Ihr sagen, dass die Jugend von heute ein schöneres Leben führt, als die Jugend von damals?

Michi: Aus materiellen Gründen schon. Glaube, aus sozialen Dingen… Keine Ahnung, wenn ich mir so Sachen anschaue, dass die Menschen weniger miteinander reden… Es passieren einfach weniger Dinge, die sonst passieren würden, aber jetzt nicht mehr passieren, weil Du halt zu sehr mit Deinem Handy beschäftigt bist oder Du Dir irgendeinen Scheiß anschaust. Technischer fortschritt – mega geil. Man muss halt nur aufpassen, dass diese menschliche und soziale Komponente dabei nicht verloren geht. 

Kerim: Ich glaube, dass das schon was mit Deinem Kopf, Deiner Fantasie und Deiner Kreativität macht, weil Du jederzeit die Möglichkeit hast, Dich berieseln zu lassen. Das ist ja wirklich krass, wie kleine Kinder auf Geräte abgeiern und jederzeit Fortnite spielen wollen. Ich hätte das damals wahrscheinlich auch so gemacht, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Ich fand’s schon auch cool früher, Nintendo zu spielen, aber fand es eben auch geil, in der Zeit, in der wir eben nicht Computer oder Nintendo spielen durften… Da sind wir einfach rausgegangen, haben uns gelangweilt, haben dann irgendwelche Weberknechte gegessen und können heute erzählen, dass wir irgendwelche Weberknechte gegessen haben. Du hast halt irgendwas erlebt, was wirklich passiert und nicht nur virtuell nebenher läuft.

Ergo: mehr Weberknechte essen! Oder einfach mehr vom Leben mitnehmen. Man muss ja nicht gleich irgendwelche Artgenossen essen, es reicht auch schon, sich bewusst mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen – so wie die KYTES! Würde Kerim nicht gelegentlich ohne Handy auf der Toilette sitzen, würden so manche Melodien spurlos an seinem Gehirn vorbeiziehen…

Timothy: Ich hab’ da gerade so ein Buch gelesen von dem Drummer von The Roots und der hat halt gesagt, dass man Langeweile zulassen muss, um Kreativität zu entwickeln. Also dass Du quasi in so ein State of Mind kommen musst, wo Du Dich nicht mit irgendwas berieseln lässt. Du musst einfach nur da sitzen und einfach mal nichts machen und Dich mit dir selbst auseinandersetzen.

Nele: Wie ist das denn bei Euch, wie lief das mit dem Songwriting für Good Luck ab? 

Kerim: Wir starten immer mit der Musik, irgendwas Musikalisches braucht es auf jeden Fall, um zu merken: ok, da passiert jetzt irgendwas. Man braucht immer erst das musikalische Feeling und dann geht es darum, was man dabei spürt, wenn man das hört und dann wird dabei die Geschichte geschrieben.

Michi: Wir haben das gerade bei unserem neuen Song so, der heißt „Wheel“ und allein diese Akkorde, als wir die so gespielt haben, dachten wir uns… Ok, das klingt so, als würdest Du irgendwie durch so eine mysteriöse und musikalische Welt laufen. Und das mach’ ich voll gerne, dass ich mir so Bilder vorstelle und mir überlege ok, wie klingt diese Melodie… Klingt diese Melodie gerade so, als wäre ich ein Hobo auf Reisen und ich muss ungefähr enthustlen, um noch einen Platz in meinem Zug zu kriegen? Oder keine Ahnung, chille ich in einer magischen Zauberwelt und schau’, was abgeht…?

Timothy: Wir saßen wirklich lange hier, haben zwei, drei Stunden über unterschiedliche Themen geredet… Keine Ahnung, so’n Song wie Alright hat im Endeffekt auch voll die deepe Message, dass man einfach cool mit sich sein und seinen Körper so akzeptieren soll und dass genau das Unperfekte perfekt ist.

Michi: Wenn Du Dich wohlfühlst, wenn Du akzeptierst und schätzt, was Du hast und wer Du bist.. Das klingt immer so standardmäßig und da haben wahrscheinlich auch schon eine Million Leute drüber geschrieben, aber wir haben’s halt wieder neu verpackt. Hashtag carpe diem, Hashtag Glück.

Mal unabhängig davon, dass die KYTES bei diesem Album, ihrem mittlerweile zweiten Werk, viel, viel mehr selbst gemacht, selbst aufgenommen und teils selbst produziert haben (wow!), sind sie auch soundlich dort angekommen, wo sie schon immer sein wollten – beim Glück! Auch, wenn sie dafür einige Schritte zurückgelatscht sind. Irgendwo zwischen Album 1 und EP klebte der Sound, den sie suchten, der, der viel reifer klingt und mit dem sie sich nun identifizieren! Ein Sound, der die kommenden Tage und Wochen so einige Fans und Lauscher aus den Söckchen fegen wird. Heute ist nämlich nicht nur Album VÖ, sondern – Trommelwirbel bitte – der Tag der Tage, der 28. Februar 2020! *kreisch* Dies bedeutet, dass die KYTES mit Hilfe ihres geisteskranken „Triple M“ Marathons direkt drei Clubs in München zerlegen werden. Drei Clubs, drei Konzerte, dreifaches Glück! Ein Abend, der Bandgeschichte schreiben und einen Vorgeschmack auf die kommende Good Luck Tour geben wird:

Michi: Wenn Du den Sinn des Lebens finden willst, mit Deinen Freunden auf unser Konzert gehst, eine geile Zeit hast, einfach abspackst… wenn Du dann 5 geile Stunden hattest, ja,  dann hat sich dieser Ausflug auf jeden Fall gelohnt!

Nele: Wie kam Euch eigentlich die Idee für Triple M?

Timothy: Langeweile. Ganz ehrlich? Langeweile. Wir sitzen ewig lang im Bus, reden darüber, wie es jetzt weitergehen kann, wie machen wir’s… Da hat erstmal wirklich jeder eine halbe Stunde lang nur Schmarren erzählt und dann hatte der Henning (Tontechniker) die Idee gehabt. Wir dachten uns ja ja, ha ha, drei Konzerte an einem Tag, pf… Und ja, keine Ahnung, wer von uns dann gesagt hat ey, lass mal wirklich überlegen, ob das irgendwie geht… Und dann hat man sich gefragt – geht das jetzt wirklich, schafft man das überhaupt, bevor wir das jetzt machen? 

Thomas: Wie wir jetzt merken: nein, man schafft’s nicht.

Michi: Wir haben heute herausgefunden: es ist unmöglich.

(Alle lachen)

Nele: Auf welches der drei Konzerte freut Ihr Euch am meisten?

Timothy: Ich freu’ mich auf den Moment, wenn wir in der Milla spielen und beide Konzerte davor so halbwegs geil waren, haha… Wir werden auch drei unterschiedliche Sets spielen!  Milla werden ganz klar nur so Songs, bei denen es richtig abgeht, in der Utting sind schon auch so’n paar Ruhigere dabei und die Muffathalle, ja da sind’s einfach mega Songs.

Michi: Utting ist voll gar nicht München, die haben einfach so’n altes Schiff auf eine Eisenbahnbrücke gelegt… Die Muffathalle ist schon, so meiner Meinung nach, die coolste Konzertlocation, wo ich selber gerne auf große Konzerte gehen, einfach eine schöne Halle.

Timothy: Und die Milla ist einfach ein geiler Indie Club, wo Freunde hängen, man geil abchillen kann, sowas… Da sollten alle mal hingehen, auch die, die nicht aus München kommen, da man da auch ein hippes Viertel Münchens sieht. Das wird auf jeden Fall ’ne Indieparty.

Nele: Gibt es noch irgendwas, was Ihr der Welt dort draußen mitteilen wollt?

Michi: Seid freundlich, lebt happy miteinander, es geht uns so gut wie noch nie zuvor… Macht was damit!

Die KYTES, das sind Glücksgefühle, mehr als Schoki und Lotterielose der Aktion Mensch es je hervorrufen können! Nicht umsonst stecken sie in der Feelgood-Schublade, sind die Lieblingsschwiegersöhne einer jeden Indie-Mama. Glück ist vielseitig, Glück ist relativ, Glück wurde vertont in 11 wundervolle Tracks, die das Herzchen höher hüpfen und Dich breiter strahlen lassen – schluchz, triefz! Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, Good Luck drückt Euch Zange und Hammer in die Hand!

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