Come Back Harriet – Intensiver und intimer Shoepunk aus München

Come Back Harriet

Wenn es einen DJ auf einer Party gäbe, der neben Indie-Rock, HipHop, Reggae, Pop, Elektro nun auch noch Shoepunk in seinem musikalischen Repertoire stehen hat, wird man jedes einzelnen Genre abhaken, und letztendlich bei letzterem hängen bleiben. Shoepunk, was verbirgt sich denn hinter dieser Musikrichtung? Gut, Shoegaze-Pop haben wir mittlerweile kennengelernt, das ist kurz gesagt Pop mit einigen melancholischen Einflüssen. Und jetzt das, eine Mischung aus Shoegaze und Punk? Vielleicht sollte man den Begriff Punk eher bildlich sehen als äußerst energiegeladene Musikrichtung, und das Laut-Sein erst einmal verdrängen, denn erst dann versteht man auch was die vierköpfige Band Come Back Harriet musikalisch von sich gibt. Melancholische und energievolle Popmusik.

Gerade mal zwei Jahre existiert Come Back Harriet in dieser Formation und alles begann, als ihr Sänger Hazel eigene Songs an seinem Computer bearbeitete. Wie der Zufall manchmal so spielt trafen sich damals vier Musiker aus drei unterschiedlichen Nationen bzw. Städten: London, Augsburg, Kilkenny und München. Die Homebase von Come Back Harriet liegt aus welchen Gründen auch immer in München. Von dort aus begannen sie mit ihrem Shoepunk von sich Reden zu machen.

Die Besetzung gestaltet sich dabei nicht ganz so außergewöhnlich wie das Genre, denn diese ist vollkommen klassisch gewählt. Wobei Hazel gleichzeitig Gesang und Gitarre übernimmt, Woody den Background-Gesang und ebenfalls Gitarre spielt. Des Weiteren sind Ollie am Schlagzeug und Rosa am Bass mit am Start. Man kann die instrumentale Besetzung zunächst einmal gar nicht nach Wichtigkeit ordnen, denn es gibt -dem Shoepunk typisch- ein treibendes Schlagzeug und flimmernde Hall-Gitarren, die mit gespickt sind mit verschiedensten Effekten. Auffallend ist zudem der Gesang von Hazel. Fast schon einschläfernd, ruhig und etwas schlaff hört sich dieser an und man meint, der Gesang und die anderen Instrumente passen nicht so recht zusammen. Passend zum Genre der Band fällt natürlich der Bandname ins Gewicht. Come Back Harriet, allein das ist doch schon geradezu flehentlicher Aufruf an eine vielleicht verloren gegangene Liebe.

Wenn man nach und nach beginnt Come Back Harriet zu hören und mit dem Track „Side“ beginnt, ist man vielleicht sogar froh die obenstehende Einleitung gelesen zu haben. Entweder um nicht enttäuscht zu werden oder um sich bestätigt zu sehen. Denn von Beginn an begleiten „Side“ hallige Gitarrenriffs und ein äußerst ruhiger und bedächtiger Gesang, der von Background-Gesängen unterstützt wird. Allzu treibend ist das Schlagzeug allerdings noch nicht und der Titel beginnt sich bei gut zwei Minuten erst so langsam aber sicher wie eine Welle aufzubauen. Nach einer kurzen kleineren Pause bauscht sich diese dann auf und bricht in sich zusammen. Darin liegt also der Punk. Genau das ist es was den Shoepunk von Come Back Harriet auszeichnet. Vorher herrschende stoische Ruhe wird kurzer Hand durchbrochen.

Weiter geht es mit „Hooks In You“ und schon wird man weiter gespült von einem jetzt dann doch treibenderem Schlagzeug und einer schwingenden Melodie. Spätestens beim zweiten Track stellt man sich auf die Stimme von Hazel ein und man jetzt schon ein prägnantes Merkmal von Come Back Harriet gefunden: Dass es hier immer zwei gekoppelte Seiten gibt. Einerseits die für sich stehende Stimme -wobei man immer den Eindruck Hazel singt absichtlich etwas schief- und dann stehen dort auf der anderen Seite der Bass, Schlagzeug und eine weitere Gitarre. Es kommt aber nie der Eindruck auf, dass diese zwei Seiten völlig für sich arbeiten. Nein, daraus ergibt sich eine wunderbare Synthese und aus diesem Zusammenschluss ergießt sich ein mitreißender Fluss. Wahnsinnig intensiv und intim hört sich Come Back Harriet an. Insbesondere hört man dabei auch ihre Einflüsse wie My Bloody Valentine und The Pains of Being Pure at Heart heraus.

Wenn man bisher die ersten zwei Titel gehört hat und nun mit „Cut The Lights“ fortfährt, merkt man wie man mehr und mehr dem Sound verfällt und in sein Herz schließt. So eigen dieser Sound auch klingen mag, umso mehr gewöhnt man sich dran und er entfaltet eine außergewöhnliche Sympathiewelle. Auch im gleichnamigen Track „Come Back Harriet“ wird die Songstruktur der vier jungen Musiker deutlich, wobei diese von wunderschönen melodischen Gitarrenriffs, einer schönen Bassline und dem schon bekannten treibenden Beat des Schlagzeugs unterstrichen wird. Wenn man sich die erste EP „Side“ von Come Back Harriet nun einmal komplett angehört hat, bekommt man schrittweise ein Gefühl für ihre Musik. Man wird mit jedem Mal Hören trittfester, bis irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem Come Back Harriet etwas in einem auslöst: Sie provoziert zwar eine melancholische Grundstimmung, aber diese wird jedes Mal durch die „punkigen“ Ausbrüche in ihren Songs wieder durch wirbelt. Dabei ist es grandios, dass man sich ihre EP völlig legal kostenlos runterladen kann.

Dass es Come Back Harriet nicht vollkommen an Bühnenerfahrung fehlt hört man heraus, denn sie waren schon im Vorprogramm von The Horrors unterwegs und haben sich mittlerweile auch in München einen Namen erspielt.

Da Come Back Harriet ja zwei englischsprachige Bandmitglieder hat, ist es sogar vorstellbar, dass sie eine kleine Tour durch England spielen könnten. Aber so viel sei schon mal verraten: Come Back Harriet wird entweder im September oder im Oktober eine kleinere Deutschlandtour geben. Die sollte man sich natürlich nicht entgehen lassen.

Auch mit Come Back Harriet haben wir es hier mit etwas schwieriger zugänglicher Musik zu tun. Aber es ist wie sooft, man muss sich bei Come Back Harriet hinein hören und irgendwann wird es den magischen Moment geben, an dem man von Come Back Harriet nicht mehr lassen kann.

Es wird in nächster Zeit auch ein Interview mit der Band Come Back Harriet  geben! Bleibt also dran, es wird sich lohnen!

Um die noch relativ kleine Fangemeinde von Come Back Harriet zu vergrößern, kommt ihr hier auf ihre Facebookseite: http://www.facebook.com/comebackharriet?ref=ts

Und um euch mit fürs Lesen zu „belohnen“ bekommt ihr jetzt von Come Back Harriet den grandiosen Titel „Cut The Lights“ zu hören:

[soundcloud]http://soundcloud.com/soundkartell/come-back-harriet-cut-the[/soundcloud]

 

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