Feature: To Athena „Have I Lost My Magic?“
Feature To Athena Interview zu „Have I Lost My Magic?“
Mit „Have I Lost My Magic?“ veröffentlicht To Athena ihr bislang persönlichstes und zugleich offenstes Album. Die Schweizer Musikerin verwandelt darauf Erschöpfung, Selbstzweifel und Verletzlichkeit in einen warmen, cineastischen Kammerpop-Sound, der sich zwischen intimer Zerbrechlichkeit und orchestraler Größe bewegt. Entstanden ist ein Werk, das weniger Antworten liefern will, sondern vielmehr ein ehrliches Dokument eines Heilungsprozesses darstellt. Ausgangspunkt des Albums war ein Burnout, das To Athena vor drei Jahren dazu zwang, ihr Leben und ihre Arbeit als Musikerin neu zu ordnen. Dieses Gefühl, die eigene „Magie“ verloren zu haben, zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs. Gleichzeitig liegt genau darin die Stärke des Albums: Statt sich in Schwere zu verlieren, sucht To Athena nach Wegen zurück zu sich selbst. Die Songs wirken wie kleine Erinnerungen daran, dass dieser innere Funke nie ganz verschwindet, sondern manchmal nur verborgen liegt.
Gemeinsam mit Produzent Linus Gmünder erschafft sie dafür Klangwelten voller Harfen, Streicher und weiter, fast märchenhafter Arrangements. Dennoch klingt „Have I Lost My Magic?“ nie überladen. Vielmehr lebt das Album von seiner Nähe. Jeder Song durfte zunächst still und zerbrechlich entstehen, bevor er im Studio seine endgültige Form bekam. Besonders die String-Arrangements von Gina Été verleihen vielen Momenten eine fast schwerelose Schönheit. Mit Singles wie „Shut The Door“, „Collide“ oder „Weird Kid“ zeigte To Athena bereits die unterschiedlichen Facetten der Platte: mal fragil und nachdenklich, mal hoffnungsvoll und euphorisch. Das Herzstück des Albums bildet jedoch „Ready“. Der Song fühlt sich wie ein tiefes Durchatmen an – ein Loslassen alter Versionen seiner selbst und gleichzeitig ein vorsichtiger Schritt nach vorne.
Musikalisch bewegt sich To Athena dabei weiterhin fernab klarer Grenzen. Einflüsse von Queen, Kate Bush, Stromae oder klassischem Kammerpop schimmern durch, ohne jemals dominant zu werden. Gerade diese Eigenständigkeit macht „Have I Lost My Magic?“ so besonders. Das Album ist kein großes Drama über Schmerz, sondern eine leise, mutige Suche nach Hoffnung, Echtheit und innerer Balance. Und genau darin liegt seine Magie.
Dein neues Album kreist stark um die Suche nach einer „verlorenen Magie“. Gab es einen konkreten Moment in deinem Leben, in dem du gemerkt hast, dass dir genau dieses Gefühl abhanden gekommen ist?
To Athena: „Vor drei Jahren erhielt ich die Diagnose Burnout. Danach begann für mich ein langsamer Prozess, mein Leben neu auszurichten, um im Musikbusiness gesund arbeiten und bestehen zu können. Dabei hatte ich oft das Gefühl, meine Magie, meinen inneren Funken, verloren zu haben. Dieses Album hat mir geholfen, wieder zu mir selbst zurückzufinden und damit auch zu dieser Magie. Denn eigentlich war sie nie wirklich verschwunden. Ich glaube Amgie kann gar nie ganz verschwinden. Manchmal zieht sie sich nur zurück, versteckt sich für eine Weile. Aber die steckt immer irgendwo in uns drin.“
Du hast das Album gemeinsam mit Linus Gmünder entwickelt – wie sah euer kreativer Prozess konkret aus und was hat sich im Vergleich zu deinen vorherigen Releases verändert?
To Athena: „Eigentlich war die Arbeit an diesem Album den ersten beiden sehr ähnlich, weil Linus und ich inzwischen ein eingespieltes Team sind. Meistens beginne ich alleine: Ich schreibe den Song für mich und nehme zu Hause eine erste Demo-Version auf. Darin halte ich bereits alles fest, was ich in meinem Kopf höre. Harmonie, Melodie, Text, Backings, Gesang, Keys, bestimmte Synths und manchmal auch andere Instrumente, die ich mir schon vorstellen kann. Mit diesem Demo gehe ich dann gemeinsam mit Linus ins Studio. Dort arbeiten wir daran, für jeden Song genau die Klänge zu finden, die zu dem Kleid passen, das wir ihm anziehen möchten. Diesen Prozess liebe ich sehr. Ich liebe es, wenn ein Song ganz still und zerbrechlich entstehen darf, nur für mich allein, ohne dass ihn jemand hört. Und sobald ich mich bereit fühle, entwickle ich gemeinsam mit Linus daspassende Gewand für ihn. Erst danach holen wir die Band dazu oder manchmal auch weitere Musiker:innen, die noch zusätzliche Farben hineinbringen. Bei diesem Album war das oft Gina Été, die einigen Songs mit ihren String-Arrangements noch einen besonderen Hauch von Magie verliehen hat.“
Die Songs bewegen sich zwischen sehr intimen Themen wie Überforderung, Burnout oder zwischenmenschlichen Verletzungen. Wie findest du im Songwriting die Balance zwischen persönlicher Offenheit und künstlerischer Distanz?
To Athena: „Ich habe gemerkt, dass persönliche Offenheit für mich unglaublich wichtig ist. Ich möchte Musik machen, die mir wirklich etwas bedeutet und für mich auch ein Ventil ist. Bei diesem Album durfte ich erkennen, dass ich auch ganz direkt über mich selbst schreiben darf und dass diese Themen trotzdem etwas Universelles haben. Denn am Ende erleben wir als Menschen oft ähnliche Gefühle, Fragen und Herausforderungen. Und das war eine neue Erkenntniss. Dadurch hat sich auf diesem Album die Grenze zwischen mir persönlich und den Geschichten in den Songs immer mehr aufgelöst. Ich habe gemerkt, dass ich diesmal gar nicht so viel Distanz brauche. Das kann sich bei einem nächsten Projekt natürlich wieder verändern, aber für diese Songs war es mir wichtig, offen und persönlich zu schreiben. Auf eine gewisse Weise waren diese Lieder auch ein Mittel, um in mir selbst aufzuräumen. Um Dinge zu verarbeiten, zu verstehen und dabei veilleicht auch andere damit anzusprechen.“
Klanglich öffnest du mit Harfe, Streicher-Arrangements und cineastischen Elementen neue Räume. Wie bewusst war dieser Schritt hin zu einem größeren, orchestraleren Sound?
To Athena: „Spannend! Darüber habe ich tatsächlich noch gar nicht so bewusst nachgedacht, dass dieses Album orchestraler geworden ist. Ich glaube, das war nie eine bewusste Entscheidung. Linus und ich haben uns beim Produzieren einfach keine Grenzen gesetzt und immer das verfolgt, was sich für den jeweiligen Song richtig angefühlt hat. Vielleicht wirkt das Album deshalb stellenweise etwas träumerischer und dadurch auch filmischer und musikalisch grösser und weiter. Gleichzeitig empfinde ich es aber insgesamt sogar als weniger episch als das erste Album. Dafür fühlt es sich ehrlicher und unmittelbarer an, auch wenn die orchestralen Elemente manchmal eine gewisse Grösse mit sich bringen.“
Mit Singles wie „Shut The Door“ oder „Collide“ hast du bereits unterschiedliche Facetten des Albums gezeigt. Gibt es einen Song, der für dich den Kern von „Have I Lost My Magic?“ am stärksten einfängt?
To Athena: „Ich glaube, der Song, der das Album für mich im Moment am besten zusammenfasst, ist Ready. Vor allem wegen des Gefühls, das er in mir auslöst. Irgendwie wie ein tiefes Durchatmen. Auf dem Weg zu diesem Album habe ich erkannt, dass es Dinge in meinem Leben gab, die ich vielleicht schon viel früher hätte loslassen dürfen. Stattdessen habe ich lange an einer älteren Version von mir selbst festgehalten. Um dann aber irgendwann zu merken, dass genau im Loslassen Raum für Neues entsteht. Deshalb ist Ready für mich der Song, der die Stimmung und die Entwicklung dieses Albums am stärksten widerspiegelt.“
Die Resonanz – vor allem auch international, etwa in Mexiko – war zuletzt sehr groß. Mit welchen Erwartungen gehst du jetzt in den Albumrelease und die kommende Tour?
To Athena: „Ich habe tatsächlich nicht so viele Erwartungen, sondern vor allem ein grosses Gefühl von Vorfreude darauf, zu sehen, wer von diesem Album angesprochen wird. Ich bin sehr gespannt, kann mir aber gleichzeitig noch gar nicht richtig vorstellen, wie sich das alles entwickeln wird. Meine Erfahrung in Mexiko hat mir gezeigt, dass, wenn man nicht zu sehr danach sucht, sondern einfach macht, die Menschen, die man erreichen möchte, oft ganz von selbst ihren Weg zur Musik finden, wenn die Musik ehrlich genug ist.
Deshalb bin ich einfach sehr, sehr gespannt, wem dieses Album etwas geben kann. Ich freue mich über jedes einzelne Ohr, das sich auf diese Reise mit mir begibt. Wohin auch immer sie führen mag.“
Live
31.05.2026 Zürich (CH) – Kaufleuten Klub
05.06.2026 Maur (CH) – Powerplay Nights
19.06.2026 Rapperswil-Jona (CH) – Lake and Sound 2026
17.07.2026 Bern (CH) – Gurtenfestival 2026
09.08.2026 Winterthur (CH) – Winterthurer Musikfestwochen 2026
29.08.2026 Aarau (CH) – Musig i de Altstadt 2026
28.10.2026 Frankfurt am Main (DE) – Café Sankt Peter
29.10.2026 Hannover (DE) – Feinkost Lampe
30.10.2026 Lichtentanne (DE) – St. Barbara
03.11.2026 Nürnberg (DE) – Neues Museum Nürnberg
04.11.2026 Esslingen am Neckar (DE) – Kulturzentrum Dieselstrasse e.V.
05.11.2026 München (DE) – Milla
06.11.2026 Bayreuth (DE) – DAS ZENTRUM
13.11.2026 Luzern (CH) – Konzerthaus Schüür
15.11.2026 Rubigen (CH) – Mühle Hunziken
22.11.2026 Winterthur (CH) – Casinotheater Winterthur
27.11.2026 Basel (CH) – Kuppel Basel
28.11.2026 Mels (CH) – Altes Kino Mels
24.02.2027 Konstanz (DE) – Kulturladen e.V.
25.02.2027 Freiburg (DE) – Jazzhaus Freiburg
26.02.2027 Karlsruhe (DE) – Tollhaus
27.02.2027 Köln (DE) – Stadtgarten
01.03.2027 Dortmund (DE) – FZW
03.03.2027 Berlin (DE) – Privatclub
04.03.2027 Dresden (DE) – Beatpol
05.03.2027 Wien (AT) – Flex
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