Feature: Panda Lux
Interview & Feature Panda Lux „Herz“
Manchmal braucht es einen Stillstand, damit sich etwas wieder in Bewegung setzen kann. Bei Panda Lux war es genau dieser Moment des Innehaltens, der den Weg für ihr viertes Album „Herz“ geebnet hat. Am 30. Januar 2026 kehrt die Schweizer Band nach zweijähriger Pause zurück – nicht mit einem lauten Neuanfang, sondern mit einer leisen, eindringlichen Klarheit, die tiefer geht als alles zuvor.
Schon die ersten Töne von Herz lassen erahnen, dass sich etwas verschoben hat. Die Songs wirken reduzierter, unmittelbarer, emotional offener. Sänger Silvan Kuntz beschreibt den Prozess als ein radikales Näherkommen an sich selbst: ein Blick „wie mit einer Lupe ins tiefste Innere“, dorthin, wo Schmerz, Hoffnung und ungelöste Beziehungsgeschichten nebeneinander existieren. Diese Offenheit hat Konsequenzen – nicht nur textlich, sondern auch musikalisch. Vieles wurde gemeinsam live in einem Raum eingespielt, ohne Schutzschichten, ohne Umwege. Die Musik durfte nackt sein, weil sie echt sein wollte. Dass Herz überhaupt entstehen konnte, war jedoch keineswegs selbstverständlich. Nach dem ambitionierten, konzeptuellen Blumen-Projekt war das Bandgefüge fragil geworden. Eine geplante Auszeit entwickelte sich zum Krisenmoment – mit der offenen Frage, ob Panda Lux als Band überhaupt noch funktionieren würden. „Das Ungewisse auszuhalten war schwer“, heißt es rückblickend. Doch gerade diese Pause erwies sich als heilsam. Alle vier gingen eigene Wege, sammelten neue Erfahrungen, suchten andere Ausdrucksformen.
Silvan veröffentlichte als San Silvan eine Solo-EP, produziert von Sophie Hunger. Samuel und Silvan arbeiteten als HOEHN an instrumentaler Gitarrenmusik. Janos Mijnssen war als Musiker und Produzent unter anderem für Faber und Thomas Azier tätig, während Moritz Widrig als musikalischer Leiter an Theatern arbeitete und Filmmusik komponierte. Diese Vielfalt an Perspektiven machte im Nachhinein erst sichtbar, was Panda Lux im Kern ausmacht: eine einmalige Konstellation, gewachsen aus Freundschaft seit Teenager-Tagen, getragen von gegenseitigem Vertrauen und einer gemeinsamen emotionalen Sprache.
Als die Band schließlich wieder zusammenkam – in den Black Box Studios im Süden Frankreichs, umgeben von Natur und Stille – fühlte sich der Neustart wie ein „Raketenstart“ an. Produzent Aaron Ahrends half dabei, den Fokus zu schärfen. Die selbst auferlegte Challenge lautete: das Gegenteil von Blumen zu machen. Weniger Überbau, mehr Essenz. Das Ergebnis sind zwölf Songs, die auf den Punkt kommen und dennoch vielschichtig bleiben. Silvans Stimme klingt so roh und unmittelbar wie nie, seine Texte klarer, direkter. Zeilen wie in Sonnenbrand – „Einen Sommer lang, haben wir uns geliebt. So einen Sonnenbrand hatte ich noch nie.“ – verdichten ganze Geschichten in wenigen Worten. Trotz aller Reduktion verstehen sich Panda Lux weiterhin als klassische Album-Band. In einer Zeit von Singles, Playlists und Algorithmen bleibt das Album für sie ein Gegenentwurf: eine Momentaufnahme, ein Liederzyklus, eine Form von künstlerischer Verdichtung. Die physische Vinyl in den Händen zu halten, Melodien über Songs hinweg aufzugreifen, interne Referenzen zu schaffen – all das gehört für sie untrennbar zum Musikmachen dazu. Musik ist für Panda Lux mehr als Reichweite und Zahlen, auch wenn sie die Abhängigkeit von Streamingplattformen kritisch sehen und deren Strukturen offen hinterfragen.
Herz fühlt sich deshalb wie ein Neuanfang an, ohne die Vergangenheit abzuschneiden. Es ist eine Weiterentwicklung, die aus Brüchen gelernt hat und aus Nähe Kraft zieht. Dass Panda Lux 2025 als Support von Von Wegen Lisbeth durch Deutschland tourten, war ein erstes Zeichen dafür, wie sehr diese neue Offenheit resoniert. Für 2026 wünschen sich Panda Lux vor allem eines: Begegnung. Eine große eigene Tour im Frühjahr, echte Gesichter im Publikum, Städte, in denen sie vielleicht noch nie gespielt haben. Und ein Festivalsommer, der die neu gewonnene Energie nach außen trägt. Herz schlägt wieder – kräftig, regelmäßig und hörbar.
„Herz“ wirkt direkter, reduzierter und emotional offener als eure vorherigen Alben. Was hat sich in euch als Band – und als Freund:innen – verändert,
damit diese neue Klarheit überhaupt möglich wurde?
Panda Lux: „Ich denke wir sind uns beim Songwriting und vor allem ich beim Texten selbst noch näher gekommen als bei den Alben davor. Themen wie sich selbst zu akzeptieren, sich zu vergeben, mit sich in Einklang zu kommen, wirklich wie mit einer Lupe in sein tiefstes Inneres zu schauen, was da ist, was da schlummert, welcher Schmerz, aber auch welche Hoffnung, quasi ins Herz hinein zu blicken. Dieser Prozess haben diese Songs zum Vorschein gebracht. Natürlich auch viele Beziehungsthemen und verarbeitet Dramen sind da mit reingeflossen. Gerade weil die Songs mit ihren Botschaften einfach purer und nackter daher kamen, und so echt sein dürfen, haben wir auch musikalisch entschieden, vieles zusammen live einzuspielen in einem Raum. Unsere Freundschaft ist durch das neue Album und den Produktionsprozess auch nochmal gewachsen. Wir schätzen enorm was wir an uns gegenseitig haben. Wir hatten eine sehr erfüllende Zeit während der Aufnahmen in Frankreich in einem Studio umrundet von Natur.“
Ihr habt beschrieben, dass der Weg zu Herz zunächst über eine Krise und einen Stillstand führte. Wie hat diese Pause euren Blick auf euch selbst und auf das gemeinsame Musikmachen verändert?
Panda Lux: „Die erste gemeinsame Auszeit hat uns als Band extrem gut getan im Rückblick. Anfangs war es allerdings auch schwer das Ungewisse auszuhalten, ob es überhaupt noch einmal so ein Bandgefühl und Energie entstehen würde. Das wussten wir vorher nicht. Konnten es vielleicht erahnen, weil wir uns schon seit unserer Kindheit kennen und gemeinsam Musik machen. In unserer Auszeit waren wir alle vier sehr aktiv und haben neue Projekte ins Leben gerufen. Ich durfte mit Sophie Hunger zusammen meine erste Solo EP aufnehmen und produzieren, und die Songs unter «San Silvan» rausbringen und alleine Konzerte spielen. Mein Bruder Samuel und ich haben zusammen als «Hoehn» in
instrumentales Gitarrenalbum herausgebracht und Konzerte in Europa spielen dürfen. Janos als fester Teil der Band von Faber, co-produierte und arrangierte sein neues Album «Addio» und arbeitete an Streicherkompositionen für das neue Album des niederländischen Multitalents Thomas Azier. Moritz konzentrierte sich auf die Rolle des musikalischen Leiters an verschiedenen deutschen Theaterhäusern und vertonte mehrere Kinofilme. Als diese Erfahrungen in den anderen Projekten haben uns auch gelehrt, was eigentlich das Herzstück und das
Wundervolle in dieser Band ist. Wir sind eine einmalige Konstellation, und unser langer gemeinsamer Weg seit Teenie-Tagen bringt eine enorme Intensität ins Spiel, was ich sehr liebe und schätze.“
Panda Lux gelten seit jeher als klassische Album-Band. Was bedeutet ein Albumrelease für euch heute – in einer Zeit, in der Singles, Playlists und Algorithmen dominieren?
Panda Lux: “ Ein Album zu machen ist ein Privileg und etwas Wunderschönes. Es ist wie eine kleine Momentaufnahme, ein kleiner Liederzyklus festgehalten für die Ewigkeit. Das wir uns die Zeit nehmen gemeinsam an so etwas Grösserem zu arbeiten, finde ich extrem wertvoll. Und es hat auch etwas Magisches nach 1-2 Jahren Arbeit die Vinylplatte mit der Musik darauf physisch in den eigenen Händen zu halten. Ich denke auch als Hörer*in zeigt es noch mal mehr Facetten einer Band auf in Albumlänge. Wir mögen zudem auch kleine Spielereien, dass gewisse Melodien, dann in anderen Songs nochmal abgeändert vorkommen und so wie innerhalb des Album Referenzen entstehen, und die Songs gegenseitig auf sich eingehen.“
In den letzten Jahren gab es zunehmend Kritik an etablierten Streamingplattformen – auch von Künstler:innen. Wie steht ihr persönlich und als Band zu Streaming, und welchen Stellenwert hat Musik für euch jenseits von Zahlen und Reichweite?
Panda Lux: „Auch wir sehen das ganze kritisch und fühlen uns oft machtlos. Spotify investiert in KI-Waffensysteme, was wir verurteilen. Der Verteilschlüssel an die Künstler*innen ist wie bekannt sehr unfair aufgebaut, was dringend auch politisch angegangen werden muss. Und trotzdem sind wir als kleiner Artist abhängig von der Reichweite der Plattform und der grossen Nutzungszahl. Musik ist um Universen grösser als das Thema Streaming und Zahlen, das ist ja klar. Auch wie Musik gehört wird, wird sich immer verändern.“
Viele von euch haben während der Bandpause neue kreative Wege eingeschlagen – Soloarbeiten, Produktionen, Theater- und Filmmusik. Was habt ihr aus diesen individuellen Erfahrungen mit zurück ins Panda-Lux- Universum genommen?
Panda Lux: „Gerade dieses Fühler-Ausstrecken und in anderen Biotopen sich einzuleben, macht erst sichtbar was für eine Qualität und Schönheit das Altbekannte hat. Das habe ich auf jeden Fall gespürt. Man bekommt wie einen neuen Sinn, und nimmt auf einmal
wahr, was hier so einzigartig und wunderbar funktioniert. Natürlich auch im Umkehrschluss das, was nicht so gut läuft. An dem kann man dann in Ruhe arbeiten mit Gesprächen über Wünsche und Vorstellungen. Aber jeder hat für sich in dieser Zeit sehr viel Lernen können, sei es musikalisch, oder aber auch an sich selbst und seinen Marotten arbeiten können. So ist es uns möglich auch das Zwischenmenschliche innerhalb der Band immer wieder von Neuem auf eine nächste Ebene zu heben.“
Herz fühlt sich wie ein Neuanfang an – nicht als Bruch, sondern als Weiterentwicklung. Was wünscht ihr euch für Panda Lux im Jahr 2026: musikalisch, live und als Bandgemeinschaft?
Panda Lux: „Wir gehen im Frühjahr auf eine grösse eigene Tour. So etwas haben wir schon sehr lange nicht mehr gemacht. Ich freu mich aber auch auf die Gesichter im Publikum, die echten Menschen zu begegnen, die Freude an unserer Musik haben. Aber auch einfach mit den Jungs unterwegs zu sein, in Städten zu spielen, wo wir vielleicht noch nie gespielt haben. Und auf den Festivalsommer freu ich mich!
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