Mit „Unravel Time“ veröffentlicht Viic Woods am 20. Februar ein bemerkenswert ruhiges und zugleich dringliches Album. Es ist das Solo-Debüt von Victoria Skoglund – und fühlt sich weniger wie ein Neubeginn, sondern vielmehr wie eine konsequente Weiterführung ihres bisherigen künstlerischen Denkens an. Nach Arbeiten mit Audrey und Mire Kay tritt sie hier klarer denn je als eigenständige Stimme hervor.
Im Zentrum von Unravel Time steht die Auseinandersetzung mit Zeit: nicht als abstraktes Konzept, sondern als gelebte Erfahrung. Skoglund stellt die beschleunigte, lineare Logik moderner Systeme den langsameren, zyklischen Rhythmen des gemeinsamen Lebens gegenüber. Die Songs verhandeln diese Spannung leise, aber eindringlich – zwischen Intimität und Dringlichkeit, persönlicher Verletzlichkeit und kollektiver Verantwortung. Menschliche Emotionen stehen nie isoliert, sondern immer im Dialog mit ökologischer Realität. Klanglich wirkt das Album offen und bewusst unverdichtet. Gemeinsam mit Kristofer Jönson (Jeniferever) entstanden die Stücke aus rohen Demos heraus, geleitet von Intuition statt Perfektion. Synth-Arpeggios, zurückhaltende Gitarren, organische Percussion und Skoglunds klare, geerdete Stimme formen einen Sound, der weit und ruhig erscheint, dabei aber innerlich stark aufgeladen ist. Die Musik drängt nicht – sie hört zu.
Besonders deutlich wird das in Stücken wie „Wasted All Those Years“ und „Viljan“, die als emotionale Pole des Albums funktionieren. Ersterer hinterfragt menschliche Selbstüberhöhung und nähert sich staunend den Rhythmen des Lebens, während „Viljan“ mit weiten Drums, Vogelstimmen und Wiederholungen ein Gefühl von Dauer und Kontinuität erzeugt. Hier geht es um etwas, das auf dem Spiel steht – ohne je in Hoffnungslosigkeit zu kippen.
Obwohl Unravel Time ein Soloprojekt ist, versteht sich das Album ausdrücklich nicht als individualistisch. Zusammenarbeit, Resonanz und Beziehung sind zentrale Bestandteile seiner Identität. Skoglund denkt Musik als etwas, das zwischen Menschen entsteht – zwischen Performerin und Zuhörer*in, zwischen Mensch und Welt. Unravel Time ist kein lautes Statement, sondern eine beharrliche Einladung: zu entschleunigen, präsent zu bleiben und Fürsorge als aktive Kraft zu begreifen. Ein Album, das nicht erklärt, sondern spürbar macht – und gerade dadurch lange nachhallt.