Feature: Mwita Mataro

Albumfeature und Interview mit Mwita Mataro

Mwita Mataro Im Interview; Fotocredit: Atila Vadoc

Mit „Austrodrama“ schlägt Mwita Mataro ein neues Kapitel auf. Nach seiner Zeit mit At Pavillon und der Dokumentation „Austroschwarz“ setzt der Solokünstler auf deutschsprachigen Rock und hat dabei große Hooks mit im Gepäck. Dabei sind es vor allem Songs wie „Grüße Sie“ und „Magdalena“, die ordentlich Energie mitbringen. Er hat auch deutlich und noch mehr zu erzählen als zuvor. Seine Songs drehen sich dabei zwischen Liebe, Diskriminierung, Depression und Selbstfindung. Hier sucht Mataro nach seinem Platz in der Welt und im Interview beschreibt er genau darin im Album seine musikalische Fortsetzung und möchte dabei ausdrücklich ganz Österreich ansprechen. Der Wechsel dabei ins Deutsche und manchmal auch Hochdeutsche, gibt seinen Texten eine neue Direktheit.

Nicht jeder Refrain lässt den ernsteren Themen gleichermaßen viel Raum. Und dennoch überzeugt er mit „Austrodrama“ mit seinem selbstbewussten Aufbruch. Sein Album strotzt nur so von Energie und persönlichen Fragen. Dabei möchte er sich spürbar noch mehr künstlerisch ausdrücke, ohne sich aber zu sehr festlegen zu müssen.

Wann hast du gemerkt, dass aus den einzelnen Songs eine zusammenhängende Geschichte entsteht und du daraus bewusst ein Konzeptalbum machen möchtest?

Mwita Mataro: „Ohne dem Musikfonds (https://musikfonds.at/) wäre es gar nicht möglich gewesen, überhaupt das Album zu machen. Das muss ich mal als erstes erwähnen. Mein Album “Austrodrama” ist rückblickend betrachtet eigentlich parallel mit meiner Kinodoku “Austroschwarz” entstanden. Da ich in der Arbeit an Austroschwarz mich intensiv mit Austropop befasst habe (ich habe in der Doku eine Schwarze Band gegründet, wo wir Austropop gecovert haben) waren das erste Berührungen mit deutschen Liedtexten bzw. eine tiefere Auseinandersetzung. Da sind dann schon paar Skizzen für Lieder entstanden, weil ich mich dann mehr getraut habe, auf deutsch zu schreiben. 2024 hab ich dann meine erste Single “Es begann alles mit Feuer” als Solokünstler veröffentlicht und ein Jahr später kam dann die Zusage vom Musikfonds. Das triff sich dann sehr gut, weil ich sehr viele Demos hattet. Somit war es für mich klar, dass das Album für mich eine musikalische Fortsetzung von der Kinodoku ”Austroschwarz” sein wird.“

Die zwölf Songs bewegen sich zwischen Politik, Romantik, Diskriminierung, Wut, Trauer und Glück. Gab es für dich beim Schreiben eine Art innere Dramaturgie oder eine Geschichte, die du von Anfang bis Ende erzählen wolltest? Und wie wichtig war es, die Songs auch
musikalisch entsprechend anzuordnen und miteinander zu verbinden?

Mwita Mataro: „Mein Anspruch war es, ein Album zu schreiben, wo ich mich nicht explizit, wie in meiner Kinodoku Austroschwarz, mit meiner Hautfarbe befasse. Es soll ein Album für Österreich sein. Ein Album, wo ich alle in Österreich ansprechen möchte, die hier leben. Deswegen auch der Titel Austrodrama. Das Lied “Schwarzer Hase” ist der einzige ”Ausreißer”, in dem es um das Wort schwarz geht. Die Farbe schwarz wird oft mit negativen Sachen in Verbindung gebracht, wie Schwarzmarkt, das schwarze Schaf in der Familie etc etc. Mit dem schwarzen Hase wollte ich die Farbe schwarz in etwas Positives umwandeln, was in dem Fall für Eigenständigkeit und Selbstermächtigung steht. Die Reihenfolge der Songs hab ich meinem Manager Stefan Redelsteiner überlassen.“

Nach deinen Jahren mit At Pavillon wirkt „Austrodrama“ wie eine ziemlich radikale Neuverortung als Solokünstler. Was wolltest du als Mwita Mataro unbedingt sagen oder machen, was innerhalb einer Band vielleicht nicht möglich gewesen wäre?

Mwita Mataro: „Alleine, dass ich jetzt auf deutsch schreibe. Mal Hochdeutsch, mal Dialekt, mal eine Mischung aus beidem. Das gibt mir eine sehr große Freiheit, weil ich merke, wie die Menschen jetzt mehr auf meine Texte reagieren. Das macht dann bei Konzerten unglaublich Spaß, weil ich eine tiefere Verbindung mit dem Publikum spüre. Da ich eine Person bin, die recht sprunghaft denkt und handelt, ist es auch schön, dass ich sowohl visuelle als auch musikalische Entscheidungen alleine entscheiden darf. Jedoch spür ich, dass ich mich auch mehr als Geschäftsmann sehe und die finanzielle Verantwortung größer geworden ist. Die Kosten für Proberaummieten muss ich jz alleine tragen um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.“

Auf den ersten Blick haben Songs wie „Grüße Sie“, „Geteiltes Leid“ oder „Magdalena“ eine enorme Energie, große Hooks und viel Lust am Rock’n’Roll. Gleichzeitig steckt darunter eine sehr persönliche Suche. Wie wichtig war dir diese Spannung zwischen Unterhaltung,
Eingängigkeit und den teilweise ziemlich schweren Themen des Albums?

Mwita Mataro: „Mir ist es wichtig, neben feel good Songs auch die Zuhörer:innen Einblicke zu geben,
wo es im Leben mal nicht schön ist. Der Rapper Casper hat es bei einem Interview so schön gesagt, dass ihn beim Schreiben von Liedtexten thematisch der Tag nach der Party interessiert, wo man verkatert ist, vielleicht mit mentaler Gesundheit zu kämpfen und schauen muss, dass man im Leben klar kommt. Genau das interessiert mich auch beim Schreiben. Sich zu trauen über die Themen zu schreiben, worüber man nicht so gerne redet. Das ist bei mir zum Beispiel die Depression, worüber es in meinem Lied “Kalenderjahr” geht. Mir war es beim Schreiben des Albums wichtig, dass es wie im “echten” Leben verschiedene Lebensphasen widerspiegelt.“

Wenn du auf den Weg von At Pavillon über „Austroschwarz“ bis hin zu „Austrodrama“ blickst: Hast du das Gefühl, dass du inzwischen näher an dem Menschen und Künstler bist, nach dem du auf diesem Album suchst – oder ist Selbstfindung für dich eher ein Prozess,
der eigentlich nie abgeschlossen sein kann?

Mwita Mataro: „Ehrlich gesagt denk ich, dass da noch mehr geht! Ich bin erst 33 und ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht mein künstlerisches Potenzial ausgeschöpft habe. Mit Selbstfindung verbinde ich etwas Positives, woraus ich Neugierde schöpfe und daraus dann die Inspiration für das Kunst machen kommt. Es gibt musikalisch noch so viel zu entdecken, was ich unbedingt machen möchte. Ich habe große Lust mit dem Album so viele Konzerte, wie es nur geht zu spielen und mich danach für mein zweites Album hinzusetzen. Dafür möchte ich mir dann auch mehr Zeit nehmen und musikalisch etwas schreiben, was mich selbst überrascht bzw ich von mir selbst nicht erwartet hätte. Es freut mich sehr, dass ich nach wie vor die Möglichkeit habe Kunst zu machen und ich ein Team um mich habe, die mich da auch professionell unterstützen.“

Live

09.03. Freiburg – Slow Club
10.03. Hamburg – Molotow
11.03. Berlin – LARK
12.03. Augsburg – Provino Club
14.03. München – Substanz

 

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