Review: Pretty Jane
Pretty Jane – Musik, die sich anfühlt wie ein Kuss unter besten Freunden
Pretty Jane sind eine dieser Bands, bei denen man schon nach wenigen Sekunden spürt: Hier geht es nicht nur um Songs, sondern um das gemeinsame Überstehen von Gefühlschaos, Quarter-Life-Krisen und all den absurden Momenten, die einen zu dem machen, was man ist. Das Trio – bestehend aus Trevor Dalrymple (Vocals), Luca DiVergilio (Bass) und Ethan Strain (Gitarre) – stammt aus Detroit, lebt inzwischen in Nashville und kanalisiert in seiner Musik genau jene Sehnsucht nach Nähe, Wärme und Zugehörigkeit, die einer ganzen Generation aus der Seele spricht.
Ihre Tracks bewegen sich irgendwo zwischen Alternative, Indie und unaufdringlicher Pop-Sensibilität – mal schimmernd und weit wie The 1975, mal intim und roh wie Big Thief. Doch im Kern ist es immer die gleiche Energie: Pretty Jane schreiben Songs wie Gespräche nachts um vier, wenn man zu müde ist, um sich zu verstellen, und zu ehrlich, um noch irgendwas zu beschönigen. Die Bandgeschichte beginnt dabei skurril und fast schon filmreif: Luca und Trevor konnten sich anfangs überhaupt nicht ausstehen. Grund: „Wir haben beide die gleiche Person gedatet – und hatten die gleiche Frisur“. Ein emotionales Chaos, das andere trennen würde, brachte sie irgendwann zusammen. Gemeinsam mit Ethan fingen sie an, in einer winzigen Wohnung Musik aufzunehmen. So entstand Pretty Jane – aus Trotz, Humor, Verletzlichkeit und einem tiefen Bedürfnis nach Ausdruck.
Diese Ungefiltertheit spürt man bis heute. Ob „Spaced Out“, das virale „Too Few Tattoos“ (mit inzwischen über 7 Millionen Streams) oder das eindringliche „under your tongue“: Pretty Jane treffen einen dort, wo es weh tut – und fühlen sich gleichzeitig an wie ein Arm um die Schulter.
Basement-Shows, Food Fights und das Gefühl, wirklich dazuzugehören
Während viele Newcomer glatt polierte Social-Media-Ästhetik liefern, leben Pretty Jane Nähe – wortwörtlich. Ihre legendären Kellerkonzerte, Crowdsurfs bei jedem Gig und sogar spontane „Food Fights“ mit ihren Fans formen eine Community, die sich nicht wie Fanbase, sondern wie ein Freundeskreis anfühlt.
„Music that feels like kissing your friends“ ist ihr inoffizielles Motto. Ein Aufruf, mehr zu fühlen, mehr Fehler zu machen, weniger Angst vor Konsequenzen zu haben. Genau diese Philosophie spiegelt sich auch im anstehenden EP-Release 2025 wider: Songs über Sehnsucht, Mut, Chaos und Überforderung – aber immer mit einem weichen Herzen unter der rauen Oberfläche. Das Trio lebt gemeinsam in einem Haus in Nashville, schreibt zusammen, streitet zusammen, feiert zusammen. „Wir sind nicht Freunde, weil wir in einer Band sind“, sagt Trevor. „Wir sind in einer Band, weil wir Freunde sind.“ Dieses Fundament macht ihre Musik so glaubwürdig: Sie entsteht nicht aus Kalkül, sondern aus echter Verbundenheit. Pretty Jane klingen wie der Soundtrack eines Lebens zwischen Euphorie und Desorientierung – für Menschen, die mehr spüren wollen, als der Alltag zulässt.
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