Feature: Malummí Albuminterview

Malummí im Interview zum Album „Damaged by their Silence“

Malummí im Interview zum Album „Damaged by their Silence“; Fotocredit: Dshamilja Kalt

Mit „Damaged By Their Silence“ schlagen Malummí ein neues Kapitel auf – und blicken gleichzeitig tief zurück. Es ist ein Album, das sich nicht mit halben Wahrheiten zufriedengibt. Stattdessen zieht es seine Kraft aus dem schonungslosen Blick nach innen – dorthin, wo Schmerz, Erinnerung und Heilung untrennbar miteinander verwoben sind. Schon der Opener „Therapist“ setzt den Ton: eine erdige Rockballade, die sich langsam entfaltet und dabei eine beklemmende Nähe erzeugt. Larissa Rapolds Stimme steht dabei im Zentrum – roh, ungefiltert, und doch kontrollierter als je zuvor. Es geht um mentale Abwärtsspiralen, um das Gefühl, sich selbst fremd zu werden. Und genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Es beschönigt nichts, aber es verliert sich auch nicht in der Dunkelheit.

Mit „Key“ verschiebt sich die Perspektive. Der Song wirkt wie ein leiser Abschied, getragen von cineastischer Melancholie und einer emotionalen Klarheit, die fast wehtut. Beziehungen werden hier nicht dramatisch zerbrochen – sie verblassen. Und Malummí schaffen es, genau diesen Zwischenzustand hörbar zu machen. Der emotionale Kern des Albums ist jedoch „Silent Baby“. Ein Song, der nicht nur erzählt, sondern freilegt. Die Zeilen wirken wie ein vorsichtiges Öffnen alter Wunden, ohne in Pathos zu kippen. Stattdessen entsteht etwas viel Nachhaltigeres: ein Prozess des Verstehens. Therapie wird hier nicht als Lösung inszeniert, sondern als langsames Sichtbarwerden dessen, was lange verborgen war.

Klanglich bleiben Malummí ihren Wurzeln treu, erweitern ihr Spektrum jedoch subtil. Gitarren bilden weiterhin das Fundament, doch das erstmals stärker eingesetzte Klavier öffnet neue Räume. Die Arrangements sind luftiger, reduzierter – fast so, als würde die Band bewusst Platz schaffen für das, was gesagt werden muss.

Dass dieses Album so geschlossen und fokussiert wirkt, ist kein Zufall. Im Interview beschreibt Sängerin Larissa Rapold den Entstehungsprozess so:

„Dieses Album ist ein Loslassen. Es trägt Worte, die wir vor zwei Jahren noch nicht hätten aussprechen können. […] Es ist ein neues Kapitel, das sich gleichzeitig wie ein Kreis anfühlt, der sich schliesst.“

Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Werk. Während frühere Releases stärker von kollektiver Improvisation geprägt waren, entstanden die Songs diesmal zunächst aus Rapolds persönlicher Perspektive, bevor sie gemeinsam weiterentwickelt wurden. Das Ergebnis ist ein Album, das intimer wirkt, ohne an musikalischer Tiefe zu verlieren.

Auch der Umgang mit dieser Intimität ist bemerkenswert reflektiert:

„Wenn ich mit einem Song zur Band komme, spielen wir ihn gemeinsam und sprechen darüber, welches Gefühl ich vermitteln möchte. […] Wir entwickeln den Song gemeinsam aus meiner ursprünglichen Idee heraus.“

Diese kollektive Sensibilität verhindert, dass die Songs ins Private kippen – sie bleiben zugänglich, ohne ihre Ehrlichkeit zu verlieren.

Interessant ist auch, wie intuitiv die Band arbeitet. Die Balance zwischen roher Konfrontation und Zurückhaltung entsteht nicht durch Kalkül, sondern aus dem Moment heraus:

„Die Songs kommen meistens schon mit einem Vibe, der von Anfang an klar ist. […] Wir entscheiden vieles aus dem Bauchgefühl heraus.“

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich „Damaged By Their Silence“ so organisch anfühlt. Nichts wirkt erzwungen, nichts überinszeniert. Thematisch bewegt sich das Album weg von reiner Konfrontation hin zu etwas, das vorsichtig als Heilung beschrieben werden kann. Rapold bringt es im Gespräch auf den Punkt:

„Im letzten Album haben wir konfrontiert, aber jetzt geht es ums Loslassen und Anerkennen.“

Und genau darin liegt die leise Größe dieses Albums. Es schreit nicht, es erklärt nicht – es lässt Raum. Raum für Widersprüche, für Schmerz, aber auch für Versöhnung. „Damaged By Their Silence“ ist kein Album für den schnellen Konsum. Es verlangt Aufmerksamkeit, vielleicht sogar Mut. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit etwas belohnt, das selten geworden ist: echter emotionaler Tiefe, die nicht überwältigt, sondern nachhallt.

Das ganze Interview gibt es hier zu lesen:

„Damaged By Their Silence“ wirkt wie ein sehr persönliches und zugleich abgeschlossenes Kapitel. Wann wurde euch klar, dass dieses Album einen Kreis schließt – und gleichzeitig etwas Neues beginnt?

Malummí: „Alleinsein, das Innehalten und das Bedürfnis, gesehen zu werden. Das Leben steht nie still — wir verändern uns, wachsen, und mit uns unsere innere Welt. Dieses Album ist ein Loslassen. Es trägt Worte, die wir vor zwei Jahren noch nicht hätten aussprechen können. Es ist der natürliche nächste Schritt nach dem letzten Album — ein neues Kapitel, das sich gleichzeitig wie ein Kreis anfühlt, der sich schliesst. Vieles, was wir in unserem Leben erlebt und durchgetragen haben, konnten wir hier verarbeiten.“

Viele Songs, besonders „Silent Baby“ , gehen sehr tief in persönliche und familiäre Erfahrungen. Wie habt ihr im Songwriting einen Weg gefunden, diese Intimität zuzulassen, ohne euch selbst dabei zu verlieren?

Malummí: „Wir sind alle eng miteinander befreundet. Wenn ich mit einem Song zur Band komme, spielen wir ihn gemeinsam und sprechen darüber, welches Gefühl ich vermitteln möchte. Dabei kann man sich nicht verlieren — wir entwickeln den Song gemeinsam aus meiner ursprünglichen Idee heraus. Jede Person bringt ihre Gedanken zur Form ein, und so gestalten wir gemeinsam den Klang der Band.“

Im Vergleich zu euren früheren Releases klingt das Album ruhiger, klarer – fast fokussierter. Was hat sich in eurem künstlerischen Selbstverständnis verändert, dass diese neue Form von Klarheit möglich wurde?

Malumí: „Im letzten Album wurde viel mehr improvisiert — mindestens die Hälfte der Songs entstand kollektiv, und ich habe dann die Lyrics darüber geschrieben. Bei diesem Album habe ich die Songs selbst geschrieben und sie anschliessend der Band gebracht. Vielleicht wirkt es dadurch etwas fokussierter.“

Mit Tracks wie „Therapist“ oder „Key“ bewegt ihr euch zwischen innerem Zusammenbruch und Loslassen. Wie entscheidet ihr im Entstehungsprozess, wann ein Song eher roh und konfrontativ sein muss – und wann er Raum und Zurückhaltung braucht?

Malummí: „Es gibt keinen konkreten Moment, in dem wir uns dazu entscheiden — das passiert einfach. Die Songs kommen meistens schon mit einem Vibe, der von Anfang an klar ist. Auch während der Produktion entscheiden wir vieles aus dem Bauchgefühl heraus, ob uns etwas gefällt oder nicht.“

Das Klavier spielt auf diesem Album erstmals eine zentralere Rolle im Sound. War diese Erweiterung ein bewusster Schritt, um neue emotionale Ebenen zu öffnen, oder hat sich das organisch im Prozess ergeben?

Malummí: „Das hat sich organisch ergeben, weil ich manche Songs einfach auf dem Klavier komponiert habe.“

Eure Songs verhandeln Schmerz, gesellschaftliche Müdigkeit, aber auch Versöhnung und Nähe. Was möchtet ihr, dass Hörer:innen aus diesem Spannungsfeld mitnehmen – eher ein Gefühl von Konfrontation oder von Heilung?

Malummí: „In unserer Musik geht es gerade mehr ums Heilen. Im letzten Album haben wir konfrontiert, aber jetzt geht es ums Loslassen und Anerkennen.“

Live
09.04. CH-Zürich, Helsinki
10.04. CH-Basel, Gannet
18.04. Köln, c/o pop
24.04. CH-Bern, Gaskessel
05.05. Mainz, Schon Schön
08.05. Leipzig, Noch Besser Leben
09.05. München, Feierwerk

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