Waldstock #23

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Waldstock #23 Nachbericht

Waldstock #23 Nachbericht
Waldstock #23 Nachbericht

Vom 08. bis 09. Juli fand in Pegnitz auf dem Schlossberg wieder das Waldstock Festival statt. Es war gespickt mit tollen Momenten und guter Musik.

Um eines gleich mal vorweg zu nehmen: Ich kenne in Deutschland kein vergleichbares Festival, das einen so herzlich in den Arm nimmt. Das einen drückt, es gut mit einem meint, man nie den Eindruck hat, man ist Fehl am Platz. Und es gibt kein anderes Festival in Bayern, vielleicht auch nicht in Deutschland, das eine so tolle Balance von internationalem Flair und herzigsten fränkischen Charme vereint.

Letztes Jahr war ich das erste Mal vor Ort und ich muss zugeben, dass ich ganz zu Beginn ein provinzielles Umsonst und Draußen Festival erwartet hätte. Doch ich war positiv beeindruckt. Das Waldstock ist kein riesen großes Festival, da sich an den beiden Tagen verteilt circa 5.000 Festival-Besucher den Weg auf den Schloßberg in Pegnitz bahnen.

Für mich als Musikblogger war das diesjährige Line-Up so interessant wie noch nie. Es gab Gigs von internationalen Bands wie The Wave Pictures, Yung, Indian Askin oder Vita Bergen. Und es gab Gigs von zahlreichen lokalen wie überregionalen sehr unbekannten und fein säuberlichst ausgewählten Künstlern und Bands wie Andi Valandi, Sound Organic Matter, The Red Aerostat, The Variety Show und vielen mehr.

Das Erste, das ich vor dem Festival in minutiöser Manier gecheckt habe, war das Wetter. Das hatte mir schon Mitte der Woche drei Tage bestes Wetter vorausgesagt. Check. Und dann ging es Freitagvormittag mit dem Zug Richtung Bayern, nach Nürnberg und von dort aus nach Pegnitz. Bis wir vor Ort auf dem Camping-Platz Gelände waren, lief alles vollkommen reibungslos und tip top organisiert ab.

Von der Bändchenvergabe über die Einweisung etc. war alles bestens organisiert. Gut, es ist auch überschaubar, aber es war wie schon im letzten Jahr: Man kommt an und man fühlt sich sofort wohl. Es ist wie wenn man in kürzester Zeit in einen Kosmos voller guter Musik und ja musikalischer Nächstenliebe eintaucht. Auch wenn der Ausdruck völlig schepps klingen mag. So ist es nun mal. Keiner stresst dich an (kein Security, kein Orangisator, kein angetrunkener Festivalbesucher, niemand).

The Red Aerostat
The Red Aerostat

Das diesjährige Festival begann mit The Black Elephant Band, gefolgt von einem ziemlich feinen und ausdrucksstarken Gig von Mäkkelä. Andi Valandi hat mich dann persönlich am meisten überzeugt am Freitag. Die Stimme? Unglaublich gut. Der Groove und die Stimmung, die mit nur drei Leuten auf der Bühne rüber bringt? Ist auf höchstem Niveau in Deutschland und dann ist das ein noch so unbekannter Musiker. Das muss sich ändern. Den Abschluss machen Doc Horn & The Hornbabes, wobei mir dieser Rockabilly nicht wirklich zusagt.

Der zweite Tag war dann gespickt mit Highlights. Beginnend mit dem Gig von Sound Organic Matter aus Nürnberg über die Heavy-Blues Band The Variety Show aus Forchheim und bis zu The Red Aerostat war das ein richtig guter Auftakt. Klar es war warm und klar, die Leute hängen dann mal erstmal noch rum. Aber trotzdem: Ich hatte nie den Eindruck, dass den Besuchern die Musik nicht gefallen hätte und das spürt man. Endlich gab es auch für mich dann die Möglichkeit mit Indian Askin aus Amsterdam eine unglaublich gute und spannende Band zu treffen. Das Interview folgt in Kürze und war: amüsant & informativ. Sie meinten jedenfalls, sie hätten noch nie ein solches Interview geführt.

Indian Askin im Interview
Indian Askin im Interview

Nach einem zweistündigen Krankenhaus-Aufenthalt ging es dann wieder zurück aufs Gelände und da konnte ich zumindest die letzten beiden Songs von The Wave Pictures mitnehmen. Indian Askin und White Wine hatte ich verpasst und nur so nebenher mitbekommen. Schade. Nach einem ziemlich politischen Talk mit The Wave Pictures ging es zurück zu den finalen Songs von Yung und danach standen die fantastischen Jungs von Vita Bergen auf der Bühne. Es folgte eine unfassbar energiegeladene Show, die dann aber jäh von meiner letzten Helfer-Schicht am Parkplatz unterbrochen wurde. Das war trotzdem ein unglaublich schöner Abschluss des Waldstock Festivals dieses Jahr.

Es waren zwei Tage voll gepackt mit guter Live-Musik und einem Booking das sich gewaschen hat. Hier muss ich auch mal ganz klar sagen: Warum supportet das hier kein Medium aus Bayern? Alle Beteiligten dieses Festivals hätten diesen Support verdient und was alle Helfer hier an den beiden Tagen für die Pop-Szene in Bayern leisten, vermag keiner einzuschätzen. Das ist unermesslich wertvoll und für mich in Bayern eines der tollsten Festivals. Ganz klar. Also liebe Medien da draußen, überlegt Euch mal, ob ihr in Zukunft nicht ein bisschen mehr riskiert und ein Festival unterstützt, das sogar Euch musikalisch weiterbringen könnte. Ihr habt nichts zu verlieren. Im Gegenteil: Die Liebe eines wirklich noch liebevolleren Festival-Teams. Das ist es wert.

Wer sich darauf einlässt, auf Duschen verzichten kann und mitten in einem der schönsten Ecken Bayerns Live-Musik hören möchte, der sollte sich den Termin für 2017 schon mal fett markieren.

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