Becquerels – Anspruchsvoller Brit-Rock aus München

Becquerels

Man kann wirklich viel, ja fast schon zu viel über sogenannte Comebacks schreiben. Bands lösen sich auf, merken dass ihnen entweder das Geld ausgeht, oder dass ihnen tatsächlich etwas im Leben fehlt, und formieren sich dann erneut. Entweder in neuer oder abgeänderter Formation. So oder so ähnlich lässt sich beinahe jedes Comeback in der Musikbranche kurz und knapp beschreiben. Meistens stimmt das auch, und bei der nächsten Band haben wir es wieder mit einer Wiedervereinigung zu tun: Den Becquerels aus München.

 

Becquerels, das ist ein ungewohnter Bandname und es fehlt irgendwie das „The“ davor. Für den ein oder anderen mag Becquerels auch ein Zungenbrecher sein. Bq, das ist aber auch das Kürzel für einen radioaktiven Stoff. Doch damit hat das gänzlich nichts zu tun. Wir haben es hier mit (v. links nach rechts) DangerMic Becquerel (Gitarre), Sir Mikesch Becquerel (Gitarre, Keyboard), Joe Becquerel (Bass), El Rabanito Becquerel (drums) und Mel Becquerel (Gesang, Gitarre)  zu tun. Das sind natürlich deren Künstlernamen. Sie eint die Vorliebe für britischen Rock und Pop von 1965 bis 1995.

Der Wind pfeift. Und man hat sogleich einen Ballen, der wie in einem Western über die Straße geweht wird vor Augen. Schon setzt die Gitarre ein und es folgt Michaels Gesang, der Ruhe ausstrahlt. Sehr schnell kann man auch schon einen Teil des Textes „I can see them coming“ mitsingen. Ein wahrlich gelungener Einstieg in ihre EP „Varmints On The Run“, was übersetzt „Gerissene Schurken auf der Flucht“ heißt. Sie sind zwar gewiss keine Schurken, aber dennoch eine harmonische Gruppe, die ihren Sound aus den früheren Jahren des Britrock lebt.

Man hört schon beim zweiten Titel „Don`t Go For It“, dass die noch jungen Herrschaften ein Faible für Details haben. Die Songstrukturen und deren Konstrukt als solches machen einen sehr ausgefeilten Eindruck. Instrumentierung und die Arrangements hören sich allesamt sehr reif an und fallen wie schon gesagt durch ihre Liebe zum Detail auf. Bleiben vor allem, und das ist ja mitunter das Wichtigste, im Ohr. Die Mischung macht es eben aus.

Obwohl der Gesang sehr getragen und ruhig wirkt, treibt er im nächsten Moment bei „Peggy Sue“ den Zuhörer an und man wird dabei ertappt wie man mit seinen Füßen schon mitwippt. Weiter geht es mit „I Beg Your Pardon“. Dieser ist etwas westernlastiger und man mag Ähnlichkeiten der Band Calexico heraushören. Beim Intro des Songs sieht man sich wie in einem alten Western vor einem Duell mit einem anderen Cowboy. Es entstehen hier auf der EP wirklich oft sehr gelungene Bilder im Kopf des Hörers und man wird quasi in ein anderes „Zeitalter“ versetzt.

Die Becquerels bleiben anspruchsvoll und geradlinig, aber wirken dennoch nie gestresst. Im Gegenteil das alles macht einen sehr entspannten Eindruck. Wüste, Sand und Sonne. Genau das wird den Becquerels gerecht. Ergänzt wird die Vielfalt durch ein Klavier und an bestimmten Stellen wird es mehrstimmig.

In einem Interview wurden sie mal gefragt, welcher Song denn ihr Lieblingssong sei. Geantwortet haben sie darauf mit dem Titel „You Don`t Know“. Vielleicht deswegen, weil sie ihn des öfteren umgeschrieben haben, und zuvor nie mit ihm glücklich geworden sind. Doch was jetzt dabei herausgekommen ist, ist schlichtweg gut und zufrieden können sie mit ihm allemal sein. Ein Saloon-Klavier wurde eingebaut und man hört wieder diese hallige Mehrstimmigkeit.

Die EP „Varmints On The Run“ endet mit dem Track „Weird Night“. Auch hier passt wie schon zuvor bei den anderen Songs alles. Tolle harmonische Übergänge, dezente und ausgefeilte Gitarrenarrangements.

Man erlebt mit den Becquerels auf ihrer EP wirklich vieles. In diese sehr schöne Form wurde das Werk von Dan Hulme in Manchester gebracht, der die Songs der Münchner dort gemischt hat. Man hört es raus, dass dort ein Fachmann die Songs bearbeitet hat. Das Cover passt auch perfekt auf die Musik und die Musiker um die Becquerels. Es zeigt einen Cowboy, der von mehreren Kugeln getroffen wird und dessen Colt aus seiner Hand fliegt.

Zudem kommt hier beim Hören wieder auf den Geschmack, sich in ältere Britrock Platten reinzuhören. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass sich die Herren anhören wie die heutigen Arctic Monkeys. Auffallend ist, dass die ganz großen Ohrwürmer ausbleiben. Das muss auch nicht zwingend sein, denn jeder Song hat seine eigene Auswirkung auf den Hörer und ist eben, wie oben schon erwähnt anspruchsvoll.

Wenn die Becquerels jetzt alles richtig machen, dann könnten sie mit dem Potential, das sie besitzen ein wahrlich gutes Debütalbum veröffentlichen.

Dass „You Don`t Know“ der Lieblingssong der Becquerels ist, könnt ihr euch hier nicht entgehen lassen:

[soundcloud]http://soundcloud.com/soundkartell/becquerels-you-dont-know[/soundcloud]

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